CVA sagt, dass die Schweiz gegenüber anderen Ländern an Boden verliert.

Der neu gewählte Präsident der Crypto Valley Association sagt, dass die Schweiz ihre Attraktivität für Blockchain-Unternehmen verloren hat. Er möchte, dass die CVA ihre Lobbyarbeit verstärkt.

Die Schweizer Stadt Zug, Heimat des Krypto- und Blockchain-Entwicklungszentrums „Crypto Valley“, wurde vom Schweizer Startup-Nachrichtensender StartupTicker zur am schnellsten wachsenden Tech-Community in Europa gekürt. Aber die Crypto Valley Association (CVA) teilt die positive Stimmung nicht.

Der kürzlich gewählte Präsident des CVA, Daniel Haudenschild, sagte in einem Interview mit der grossen lokalen Medienagentur Swissinfo, dass die Schweiz „gegenüber dem Ausland an Boden verliert“.

Crypto Valley leidet unter dem Krypto-Bärenmarkt

Haudenschild erklärte, dass das Krypto-Tal unter dem anhaltenden Krypto-Bärenmarkt gelitten habe, der der Position der Schweiz als globaler Blockchain-Hub geschadet habe. Sie hat eine „Kapitallücke von Milliarden Franken“ geschaffen. Er sagte auch, dass „grossartige Ideen auf Eis gelegt werden, weil sie diese Mittel nicht finden können“.

Damit liegt er nicht falsch. Erstens hat der Kryptoabsturz den Ruf der Branche etwas geschädigt und Bedenken bei den Investoren geweckt. Zweitens hielten viele Unternehmen einen Teil ihrer Mittel in digitalen Assets, sei es in eigenen Token oder in Bitcoin und Ether. Da die Preise im letzten Jahr um mehr als 90% eingebrochen sind, haben sich ihre Mittel verringert, so dass die Unternehmen unterfinanziert waren.

Die Schweizer Krypto-Investmentfirma CV VC hat berichtet, dass die Zahl der Blockchain-Unternehmen in der Schweiz im vierten Quartal 2018 um 20% gestiegen ist. Die Marktkapitalisierung der in der Schweiz ansässigen Blockchain-Firmen wurde jedoch um mehr als 50% reduziert.

CVA will Lobbyarbeit intensivieren

Vor seinem Eintritt in die CVA trat Haudenschild im Januar von seiner Funktion als CEO der Blockchain-Beratungseinheit des Schweizer Staatsunternehmens Swisscom zurück. Laut SwissInfo wurde er nach „einer Zeit der Unruhen, in der Ansprüche auf Profitabilität und scharfe Praktiken erhoben wurden“, zum Präsidenten des CVA gewählt.

Mehr als die Hälfte der Mitglieder des Vorstands der Schweizerischen Crypto Valley Association (CVA) haben ihren Rücktritt im Januar angekündigt. Die Nachrichten kamen nach Berichten über Governance-Themen und Vorwürfe von „Interessenkonflikten“ in der Führung des Unternehmens.

Der neue CVA-Präsident kündigte an, dass er beabsichtigt, Änderungen in der Organisation vorzunehmen, um mehr Blockchain-Projekte in die Schweiz zu holen. Er erklärte, dass es „einen toleranzfreien Ansatz für Menschen geben wird, die versuchen, sich auf dem Rücken der Marke CVA zu bereichern“.

Haudenschild kritisierte die Organisation auch, weil sie die Lobbyarbeit beim Schweizer Parlament eingestellt habe. Während andere Länder wie Liechtenstein mit kryptofreundlichen Regulierungen voranschreiten, hält Haudenschild die Schweiz für unzureichend.

„Wir brauchen eine Änderung unserer Gesetze, und das erfordert mehr Interaktion mit Gesetzgebern und Aufsichtsbehörden. Wir müssen die Schweiz offen und für Unternehmen leicht zugänglich machen, um in Blockchain-Projekte zu investieren“, sagt er.

Er wies darauf hin, dass die Schweiz nicht genug tut, um das Risikokapital, die Unternehmer und die Fähigkeiten anzuziehen, die im Crypto Valley benötigt werden. „Wenn wir das nicht tun, haben Kapital und Talent Beine, und wir sehen bereits, wie es heraussickert. Ich konnte im Moment nicht fünf Risikokapitalgeber an einen Tisch im Crypto Valley bringen. Sie sind nach London, Amsterdam und Berlin gegangen“, sagt Haudenschild.

Obwohl das Krypto-Tal vor Herausforderungen steht, ist es auch nicht ganz düster. Die Schweiz geniesst bei Investoren einen positiven Ruf und gilt als Top-Spot für Blockchain-Unternehmen. Aber Haudenschild hat auch einen Punkt. Die Branche ist noch jung, und die Regierungen konkurrieren um die besten Unternehmen und Talente. Jetzt ist ein entscheidender Zeitpunkt. Die Schweiz kann es sich nicht leisten, sich zurückzulehnen und sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen.

 

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