Die DLT Markets AG, eine Tochtergesellschaft der Bank Frick, entwickelt eine Krypto-Handelsplattform für institutionelle Investoren. Sie wird sich mit den wichtigsten Herausforderungen der institutionellen Anleger befassen müssen: fragmentierte Liquidität, schlechte Technologie, eingeschränkter Zugang zu Absicherungsinstrumenten und fehlende Vorschriften.

Die Bank Frick wird eine Handelsplattform für Kryptowährungen und digitale Assets einrichten, die auf die Bedürfnisse institutioneller Investoren zugeschnitten ist. Die Bank gab am Mittwoch bekannt, dass sie eine Tochtergesellschaft namens DLT Markets AG gegründet hat, die die Plattform entwickeln und betreiben wird.

DLT Markets wird seinen Kunden einen Multi-Börsenzugang und die gleichen regulatorischen Standards wie im traditionellen Wertpapiergeschäft bieten. Die EU-regulierte Bank Frick wird als zentrale Depotbank fungieren und DLT Markets wird Auftragsdaten verwalten und die Prozesse des Risiko- und Positionsmanagements durchführen.

Verantwortlich für DLT Markets wird Roger Wurzel sein, der 20 Jahre bei der Deutschen Bank im Aktien- und Derivatehandel tätig war. „Wir schaffen ein einzigartiges Marktangebot für institutionelle Investoren im Bereich der neuen digitalen Token-Assetklasse. Mit unserer vollständig regulierten Plattform treiben wir die Professionalität im Handel mit digitalen Token und Kryptowährungen voran“, sagt Wurzel.

Roger Wurzel kam im vergangenen Jahr zur Bank Frick und war zunächst in die Geschäftsentwicklung der Bank involviert. Nun wird er als CEO die Verantwortung für DLT Markets übernehmen. Die Geschäftsentwicklung von DLT Markets wird von Markus Besler geleitet, zuletzt als Blockchain-Projektentwickler bei der Bank Frick.

Die Kryptoakzeptanz durch institutionelle Investoren ist bisher schleppend. Im Vergleich zu Privatanlegern sehen sich institutionelle Anleger mit einer Reihe von Emissionen konfrontiert. Die grösste Herausforderung von DLT Markets wird darin bestehen, die wichtigsten Probleme institutioneller Investoren in Kryptomärkten anzugehen.

Fragmentierte Liquidität und schlechte APIs

Ein Thema für institutionelle Kryptoanleger ist die fragmentierte Liquidität. Es gibt Tausende von Krypto-Börsen, die jeweils ihre eigenen Handelssysteme haben, die sich grundlegend voneinander unterscheiden. Daher müssen Anleger Konten mit unterschiedlichen Börsen eröffnen und mit allen gleichzeitig Guthaben führen. Das ist umständlich zu verwalten und ineffizient.

Um die besten Ausführungsergebnisse zu erzielen, verwenden Händler die APIs der Börsen, um Orders an mehrere Börsen zu senden. Die von den meisten Börsen bereitgestellten APIs sind jedoch primitiv und nicht mit Industriestandards kompatibel. Dies ist ein Problem, mit dem DLT Markets bei der Entwicklung einer Multi-Exchange-Zugangsplattform konfrontiert wird.

Allerdings sind die grösseren Börsen professioneller geworden und bieten robustere API-Services. DLT Markets muss sich mit einer Auswahl von erstklassigen Börsen verbinden, die Liquidität aggregieren und an ihre Kunden verteilen.

Begrenzte Absicherungsinstrumente

Ein weiterer Grund, warum sich institutionelle Investoren bisher von Kryptowährungen ferngehalten haben, ist die enorme Volatilität des Marktes. Das an sich ist kein Problem, aber da die Branche nicht viele kostengünstige Absicherungsoptionen anbietet, fällt es den Anlegern schwer, mit übermässiger Volatilität umzugehen.

So sind beispielsweise Terminkontrakte oder ewige Täusche derzeit nur für eine sehr begrenzte Anzahl von Kryptos verfügbar. Und Kurzschlüsse sind sehr schwierig, da es keinen wirksamen Mechanismus für die Kreditvergabe und -aufnahme digitaler Währungen gibt.

In traditionellen Märkten sind Contracts For Difference (CFDs) ein beliebtes Sicherungsinstrument.  Ein CFD ist ein Vertrag zwischen einem Käufer und einem Verkäufer, bei dem der Verkäufer dem Käufer nur die Differenz zwischen dem Zeitwert eines Vermögenswertes und seinem Wert zur Vertragszeit bezahlt. Wenn die Differenz negativ ist, zahlt der Käufer an den Verkäufer.

Einige Krypto-Börsen haben bereits damit begonnen, CFDs für eine Reihe gängiger Krypto-Paare anzubieten, so dass Investoren ihr Engagement absichern können, indem sie Long-, Short- und Margengeschäfte tätigen. Wenn DLT-Märkte den Kunden Zugang zu solchen kostengünstigen Absicherungsinstrumenten bieten können, wird sie institutionelles Geld anziehen.

Fehlende Vorschriften

Die dritte Herausforderung für institutionelle Investoren ist das Fehlen staatlicher Regelungen. Institutionelle Investoren handeln meist nicht mit ihrem eigenen Geld. Daher müssen sie strengere Compliance-Standards einhalten als Kleinanleger.

Die meisten Krypto-Börsen sind unreguliert und funktionieren ohne Aufsicht, was zu einem mangelnden Anlegerschutz führt. Auch da viele Börsen nicht einmal ein Bankkonto eröffnen können, ist die Fiat-Auffahrt teuer und manchmal nicht einmal möglich.

Da DLT Markets eine Tochtergesellschaft der Bank Frick ist, muss sie die EU-Finanzmarktregeln und -vorschriften einhalten und institutionellen Investoren Rechtssicherheit bieten.

Institutionelle Investoren befinden sich in den Startlöchern

Der Zufluss von institutionellem Geld wird dem Krypto-Sektor einen erheblichen Schub sowohl in Bezug auf die Liquidität als auch auf die Reputation geben. Grosse institutionelle Investoren wie Fidelity Investments haben bereits ein Engagement für den Krypto-Bereich signalisiert. Ein Bericht im Oktober ergab, dass institutionelle Investoren die grössten Käufer von Kryptotransaktionen über 100.000 US-Dollar geworden waren.

Doch die Infrastruktur für institutionelle Investoren fehlt noch. So könnten Projekte wie DLT Markets die Krypto-Märkte der institutionellen Akzeptanz einen Schritt näher bringen, wenn es ihnen gelingt, die wichtigsten Herausforderungen anzugehen.

„Die Etablierung von DLT Markets ist ein weiterer Schritt für die Bank Frick bei der Entwicklung eines zukunftsorientierten Finanzökosystems und verbindet regulatorische Sicherheit mit den Vorteilen des Blockchain-Bankings“, heisst es in der Pressemitteilung der Bank Frick.

Edi Wögerer, CEO der Bank Frick, sagt: „Mit der Gründung der DLT Markets AG bauen wir unsere führende Position im Bereich des regulierten Blockchain Banking deutlich aus. Mit unserem Spin-off bieten wir institutionellen Kunden eine einzigartige Kombination aus einem FinTech-Unternehmen und einer von der EU regulierten Bank. Der Handel und die Verwahrung digitaler Vermögenswerte gehen also Hand in Hand – wie im traditionellen Wertpapiergeschäft.“

 

Bild: ©Bank Frick