Die Bank of America hat mehr als 50 Patente im Zusammenhang mit der Blockchain-Technologie angemeldet. Es ist zwar nicht ganz klar, welche Anwendungen die Bank entwickelt, aber es könnten spannende Anwendungsfälle entstehen.

Die Bank of America (BofA) ist einer der produktivsten Patentanmelder für Blockchain-Technologie. Das Unternehmen besitzt nun eine beeindruckende Sammlung von mehr als 50 Blockchain-bezogenen Patenten.

Die Bank hat letzten Monat wieder Schlagzeilen gemacht, indem sie ein weiteres Blockchain-Patent eingereicht hat. Die jüngste Einreichung zielt auf gemeinsame ATM-Netze ab, die auf Blockchain-Technologie basieren.

Aber trotz all dieser Patente bleibt eine Frage offen: Was werden sie damit machen?

BofA ist bei der Blockchain-Technologie bullish

Während andere Banken nur langsam auf den Blockchain-Trend aufspringen, schreitet die BofA voran. Die Bank sieht das Potenzial der Technologie und will nicht zurückgelassen werden.

„Obwohl wir keine grossen Chancen gefunden haben, wollen wir ihnen voraus sein, aber wir wollen vorbereitet sein“, sagt Catherine Bessant, Chief Technology Officer der BofA.

Im Allgemeinen ist die Bank bullish auf die Technologie.

Letztes Jahr prognostizierten die Analysten der BofA, dass der gesamte Blockchain-Markt letztendlich auf 7 Milliarden Dollar wachsen würde. Die Vorhersage basierte auf der Annahme, dass 2% aller Server eines Tages auf Blockchain-Technologie laufen würden.

Die BofA hat in ihrem Bericht besonders auf die Nutzung von Blockchain-as-a-Service hingewiesen. Ein weiterer Schwerpunkt der Technologie wird nach Ansicht der Analysten der BofA der Retail- und Cloud-Computing-Bereich sein. Der Bericht gab keinen besonderen Zeitrahmen für das Marktwachstum vor, da die Technologie noch nicht weit verbreitet ist.

Blockchain-basierte Geldautomaten

Die jüngste Patentanmeldung der BofA wurde am 26. Dezember 2018 vom U.S. Patent and Trademark Office (USPTO) veröffentlicht. Es beschreibt ein System von Blockchain-basierten Cash-Handling-Geräten, die „ein relativ grosses Transaktionsvolumen bewältigen und gleichzeitig den Bedarf an physischem Geldtransport reduzieren“ können.

Die Einreichung erklärt, dass Geldautomaten derzeit für eine bestimmte Bank und ihre Betriebssysteme bestimmt sind. Wenn jedoch verschiedene Banken den Zugang zu einem einzigen Softwaresystem gemeinsam nutzen könnten, könnte das ATM-Netzwerk effizienter und kostengünstiger arbeiten.

So erforscht die Bank eine „ATM-as-a-Service“-Lösung, die es Kunden ermöglichen könnte, Geld über das gleiche Geldautomaten-Netzwerk zu überweisen oder sogar über den Geldautomaten auf Punkt-zu-Punkt-Videokommunikation zuzugreifen, unabhängig davon, wer den Geldautomaten besitzt.

Ethereum-basierte Akkreditive

Ebenso spannend ist die im April 2017 angekündigte Partnerschaft der BofA mit Microsoft. Beide Unternehmen arbeiten an einer Ethereum-basierten Anwendung, die den Prozess der Erstellung eines Standby-Akkreditivs automatisieren soll.

Ein Akkreditiv ist eine Art von Garantie, die Vertrauen zwischen zwei oder mehreren Geschäftspartnern schafft. Eine emittierende Bank garantiert über ein Akkreditiv die Zahlung im Namen des Antragstellers an einen Begünstigten.

Derzeit können mehrere Parteien erst dann zu einem solchen Schreiben beitragen, wenn andere Parteien dies getan haben. Wenn es also einen Fehler oder eine Ungenauigkeit gibt, muss der gesamte Prozess von vorne beginnen.

Ziel der BofA ist es, mit den BaaS-Tools von Microsoft Azure einen Brief zu erstellen, der auf der Blockchain kodiert und über einen selbstausführenden Smart Contract ausgeführt wird.

Ann McCormick, BofA’s Director of Trade and Supply Chain Finance, sagt: „Sie haben diese intelligenten Verträge, die die Blockchain erleichtert, die sowohl Routing als auch Event Triggering durchführen. Aber sie können auch die Bedingungen haben, die Microsoft oder die Bank of America in diesem Standby-Akkreditiv verlangen.“

Kryptobezogene Patente

Catherine Bessant weist darauf hin, dass die Bank eine klare Unterscheidung zwischen Blockchain-Technologie und Kryptowährungen trifft. Als Währung, sagt sie, ist digitales Geld sehr riskant, da die Identitäten von Sender und Empfänger verborgen sind.

Aber trotz der Kryptoskepsis hat die Bank eine Reihe von kryptobezogenen Patenten erteilt.

Im Dezember 2017 wurde der BofA ein Patent erteilt, das ein digitales Währungssystem beschreibt.

In einer am 23. August veröffentlichten Patentanmeldung hat die BofA ein Patent zur Entwicklung eines sicheren Krypto-Speichersystems angemeldet.

Im September teilte sich das USPTO ein BofA-Patent für die Anpassung mehrerer digitaler Signaturen in einem verteilten Netzwerk.

Im Oktober meldete die Bank ein Patent an, das darauf abzielt, die Sicherheit privater Schlüssel zu verbessern.

Nur ein PR-Stunt?

Ein Patent ist genau das: ein Patent. Das bedeutet nicht, dass die Bank unbedingt ein innovatives Produkt auf den Markt bringen wird.

Ein ehemaliger BofA-Mitarbeiter, dessen Name in 8 von 50 Blockchain-Patenten aufgeführt ist, rief die Bank im August 2018 an und behauptete, dass die Patente bedeutungslos seien und eingereicht wurden, um die Presseberichterstattung anzuziehen, damit die Bank im FinTech-Raum fortschrittlich erscheint.

Aber 50 Patente anzumelden, nur um die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu ziehen, scheint übertrieben. Auch die meisten Banken bemühen sich, ihre Blockchain-Initiativen vor der Öffentlichkeit zu verbergen, warum sollte die BofA genau das Gegenteil tun?

Mit 50 Patenten arbeitet die Bank offensichtlich an etwas. Wir wissen nicht genau, was es genau ist, was sie zu erreichen versuchen, aber sicher ist, dass es Arbeit gibt.

Der Wettlauf um die besten Blockchain-Anwendungen im Bankensystem hat bereits vor langer Zeit begonnen. Catherine Bessant hat genau Recht: Banken müssen auf der Blockchain vorankommen, sonst werden sie irgendwann zurückgelassen.

 

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