Blockchain steht ganz oben auf der Agenda des neu gegründeten Bayerischen Staatsministeriums für digitale Angelegenheiten. In einem ersten Schritt wird das Ministerium eine App zur Validierung von Bildungsdokumenten veröffentlichen.

Das deutsche Bundesland Bayern, das südlichste Bundesland Deutschlands, zeigt erste Ambitionen, sich dem Krypto-Weg anzuschliessen. Seit dem letzten Jahr hat das Land ein eigenes Ministerium für digitale Angelegenheiten, und Blockchain scheint auf der Agenda des Ministeriums ganz oben zu stehen.

Blockchain-fähige Ausbildungszertifikate

Die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern wird im kommenden Frühjahr die ersten Blockchainfähigen Ausbildungsnachweise ausstellen. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem im vergangenen Jahr neu eingerichteten Ministerium für digitale Angelegenheiten durchgeführt. Künftig können Arbeitgeber mit Hilfe einer Blockchain feststellen, ob die Zertifikate echt sind.

Das Ministerium wird eine Webanwendung entwickeln, mit der Unternehmen die Echtheit von Zertifikaten mit Hilfe von Blockchainbasierten Hash-Werten überprüfen können. Die Bewerber können dann den Schlüssel zur Validierung ihrer Dokumente zusammen mit ihrer Bewerbung an die Unternehmen schicken, die die App des Ministeriums zur Überprüfung der Zertifikate verwenden können.

Judith Gerlach, die Bayerische Staatsministerin für den Bereich Digitales Fernsehen, sagte: „Dies bietet einen grossen Vorteil für Bewerber und Unternehmen. Die Echtheit von Zertifikaten kann mit wenigen Klicks überprüft werden. Dies ist eine Art digitales Qualitätssiegel – Blockchain, Made in Bavaria.“

Gerlach sagte, wenn der Pilotversuch erfolgreich sei, könne das Ministerium in Zukunft auch ein blockchainbasiertes System für Schul- und Universitätszertifikate einführen, so Gerlach weiter:  „Die Zeugnisse sind ein erster Schritt für den konkreten Einsatz von Blockchain in der Verwaltung und können theoretisch auf jede Art von Dokument, sei es ein Zeugnis, eine Urkunde oder ein Vertrag, ausgedehnt werden. Wir wollen bald weitere praktische Anwendungen einführen.“

Strategie Bayern Digital: Blockchain ist ein wichtiger Schwerpunkt

Blockchain ist ein integraler Bestandteil der „Strategie Bayern Digital“. Im Dezember 2019 rief das Ministerium das „Bayerische Zentrum für Blockchain“ ins Leben, eine Einheit, die den Aufbau von Blockchainanwendungen unterstützt, eigene Blockchaininitiativen startet und den Wissensaustausch rund um Blockchain erleichtert. Die Einheit wird ihre Arbeit im Jahr 2020 aufnehmen und Chancen und potenzielle Risiken der Technologie untersuchen.

Zunächst wird sich das Bayerische Zentrum für Blockchain auf staatliche Blockchainanwendungen konzentrieren, wie z.B. die App zur Überprüfung von Bildungsnachweisen. Später wird es weitere Projekte und Kooperationen mit privaten Unternehmen geben.

Bayerische Forschungseinrichtungen engagieren sich

Auch die bayerischen Forschungseinrichtungen haben begonnen, sich mit der Blockchain zu befassen. Das Fraunhofer Blockchain Lab, eine Kooperation zwischen den Universitäten Bayreuth und Augsburg, arbeitet multidisziplinär an der Konzeption, Entwicklung und Evaluierung von Blockchainlösungen.

Der TUM Blockchain Research Cluster in München verbindet die Disziplinen der zahlreichen Lehrstühle der Universität, um technologische, wirtschaftliche, rechtliche und soziale Fragen im Zusammenhang mit der Blockchain-Technologie zu erforschen.

Die in München angesiedelte, weltweit agierende Blockchain Insurance Industry Initiative B3i konzentriert sich auf den Einsatz der Blockchain-Technologie in der Versicherungswirtschaft. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung von Blockchain-Prototypen für den Einsatz in (Rück-)Versicherungsverträgen.

Insgesamt hat der bayerische Staat das Potenzial von Blockchain erkannt und bereitet sich auf die Zukunft vor. Eine Entwicklung, die sich auch gut in den Kurs der Bundesregierung und die Fortschritte in den Nachbarländern Schweiz und Liechtenstein einfügt.

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