Das Schweizer Startup-Unternehmen Procivis und der Kanton Schaffhausen haben ein Blockchain-basiertes E-Identity-Projekt gestartet. In Zukunft ist es das Ziel, weitere Dienste hinzuzufügen; sogar eine Blockchain-basierte E-Voting-Plattform ist in Entwicklung.

Der Kanton Schaffhausen hat zusammen mit dem Schweizer Startup Procivis eine Blockchain-basierte E-Identity- und E-Government-Plattform realisiert.

Das Projekt heisst eID+. Die Partnerschaft führte das Pilotprojekt im Dezember 2017 ein. Die Bürgerinnen und Bürger konnten sich beim öffentlichen Amt in Schaffhausen anmelden und dann über eine mobile App direkt auf die öffentlichen Dienste zugreifen. Die App speichert Ausweisdokumente auf einer Blockchain, die Bürger als offizielle Identifikationsdokumente verwenden können.

Mit eID+ will der Kanton Schaffhausen die Regierungsdienste beschleunigen und die betriebliche Effizienz verbessern.

„Unsere Gesellschaft entwickelt sich ständig weiter“, sagt Walter Vogelsanger, Regierungsvertreter in Schaffhausen. „Wir müssen neue Technologien testen und ausprobieren. Der Kanton Schaffhausen hat einen Standortvorteil, weil die Schweiz im Blockchain-Bereich gut positioniert ist.“

eID+ bietet eine Vielzahl von Funktionalitäten

Derzeit ermöglicht die App den Benutzern, sich zu authentifizieren und mit Dritten zu interagieren, ohne bei jedem Dienstanbieter ein neues Konto einrichten zu müssen. Eine E-Signatur-Funktion ermöglicht es Benutzern, Dokumente direkt mit ihrer digitalen Signatur zu signieren.

Benutzer können direkt auf offizielle Regierungsdokumente zugreifen und diese in der Blockchain speichern. Die App prüft dann die Authentizität von Regierungsdokumenten durch Blockchain-basiertes Zeitstempeln.

Procivis-Gründer Daniel Gasteiger sagt: „Blockchain kann jedes einzelne Attribut überprüfen. Ich kann zum Beispiel überprüfen, ob ich einen Führerschein habe und auch das Datum meines Geburtstages.“

In Zukunft wird Procivis weitere Funktionalitäten hinzufügen, wie z.B. ein E-Lizenzierungstool, das es den Benutzern ermöglicht, Lizenzen zu speichern und zu erhalten und digital zu ermöglichen, den direkten Zugriff auf E-Health-Plattformen, vereinfachte KYC-Prozesse und eine E-Company-Plattform, die die Prozesse der Geschäftsregistrierung optimiert.

Die App wurde von der Öffentlichkeit gut angenommen, aber auch Skepsis ist vorhanden. „Sobald die Daten an die Blockchain gesendet wurden, können wir sie nicht mehr löschen“, erklärt Gasteiger. Das bereitet den Benutzern einige Sorgen.

„Ein weiteres Problem ist, dass ein Benutzer, wenn er seinen privaten Schlüssel verliert, den Zugriff auf alle Daten verliert. Daher müssen wir sicherstellen, dass die App und die Verwaltung des privaten Schlüssels so einfach wie möglich sind, damit ein technisch unbedarfter Mensch die App bedenkenlos nutzen kann“, ergänzt Gasteiger.

Blockchain-basiertes e-Voting in der Entwicklung

Procivis entwickelt zusammen mit der Universität Zürich auch einen Prototyp für Blockchain-basiertes e-Voting. Die geplante Plattform soll den gesamten Abstimmungsprozess elektronisch abbilden. Zusätzlich zum Akt der Abstimmung wird die Lösung auch vorangehende Schritte, wie die Bereitstellung von Informationen für die Wähler, und nachfolgende Schritte, wie die Stimmenauszählung, umfassen.

Das Projekt wird die Ethereum-Blockchain verwenden. Nach erfolgreicher Entwicklung wird es als Open-Source-Software öffentlich zugänglich gemacht.

Procivis Gründer und CEO Daniel Gasteiger meint: „E-Voting ist ein Kernelement der elektronischen Governance. Aber trotz des Rufs der Schweiz als Flaggschiff-Demokratie schwankt die Entwicklung in diesem Bereich.“

Dr. Thomas Bocek, der auf Universitätsseite für das Projekt verantwortlich ist, ergänzt: „E-Voting auf Basis der Blockchain-Technologie erhöht die Transparenz und kann gleichzeitig technisch sehr anspruchsvoll sein“.

Die Idee der Blockchain-basierten digitalen Identität ist nicht neu. Die Sovrin Foundation zum Beispiel ist ein Open-Source-Projekt, das ein globales öffentliches Netzwerk für selbstbestimmte Identität schafft.

Auch das UN-Welternährungsprogramm hat das Konzept aufgegriffen und ein digitales Identitätssystem geschaffen, das Flüchtlingen in Flüchtlingslagern einen digitalen Ausweis zur Verfügung stellt, der es ihnen ermöglicht, Lebensmittel bargeldlos zu kaufen.

Auf Regierungsebene bleiben Blockchain-Projekte jedoch eine Seltenheit. Schaffhausen und Procivis sind Vorreiter, und ihre Arbeit wird wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Initiativen liefern.

*Das volle Interview kann auf SRF nachgeschaut werden unter: SRF – Blockchain verstehen

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