Blockchain-Unternehmen verlassen Malta, da es immer schwieriger wird, Geschäfte auf der „Blockchain Insel“ zu tätigen. Die Gründe dafür sind meist eine Verschärfung der Vorschriften und der Mangel an Bankdienstleistungen.

Malta wurde 2018 als „Blockchain Island“ bezeichnet, da Blockchain-Unternehmen in das Land umzogen, um von den kryptofreundlichen Vorschriften zu profitieren. Aber ein Bericht der Weltbank stellt die Insel in ein anderes Licht: Bar San Marino, Malta, ist der herausforderndste Ort für Geschäftsaktivitäten in der EU, so der im Oktober veröffentlichte Bericht der Weltbank Doing Business 2020.

Der Bericht vergleicht die Leichtigkeit, mit der Geschäfte in Ländern auf der ganzen Welt getätigt werden können, anhand einer Reihe verschiedener Kennzahlen wie Unternehmensregulierung, Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten, Steuern und Arbeitsmarktpolitik. Im Vergleich zur Rangliste von 2017 hat sich Malta um 12 Plätze nach unten bewegt und liegt nun auf Platz 88 hinter Botswana, Panama und Sambia.

Krypto-Börsen verlassen Malta

Es scheint, dass die Verschlechterung der Geschäftsbedingungen auch von Blockchain-Unternehmen wahrgenommen wurde. Infolge des zunehmenden internationalen Drucks auf die Regierung, die Vorschriften zu verschärfen, haben mehrere Kryptounternehmen ihren Betrieb eingestellt und sind an einen anderen Ort gezogen.

Drei Kryptowährungsbörsen haben in den letzten drei Monaten bereits ihren Betrieb eingestellt. Vor allem ist Bittrex von Malta nach Liechtenstein umgezogen. Coinone schloss im August, nachdem es nur zehn Monate lang in Betrieb war, und die indische Börse Zebpay verliess Malta im September.

Selbst Binance, die nach Handelsvolumen weltweit grösste Krypto-Börse und zweifellos der Star der maltesischen Kryptoindustrie, überdenkt angeblich ihre Optionen. Chief Growth Officer Ted Lin wurde als Redner auf der diesjährigen Malta AIBC Krypto-Konferenz beworben, ist aber nicht erschienen. Tatsächlich nahm nicht einmal ein einziger Vertreter von Binance an der Veranstaltung teil.

Aufsichtsrechtliche Prüfung und fehlende Bankdienstleistungen die grössten Herausforderungen

Kiran Raj, CEO von Bittrex, erklärte an einer Veranstaltung der Liechtensteinischen Krypto-Ländervereinigung (CCA) im vergangenen Monat, dass das Blockchain-Gesetz der Grund sei, warum sich die Börse für einen Umzug nach Liechtenstein entschieden habe. Kein anderes Land hat bisher dieses Mass an Rechtssicherheit geschaffen, das für das Geschäftsmodell von Bittrex von grösster Bedeutung ist, sagte Raj.

Vorschriften waren der Grund, warum viele Blockchain-Unternehmen überhaupt nach Malta umzogen, als das Land 2018 seinen Virtual Financial Assets Act einführte. Aber jetzt geht es langsam voran, und es gibt eine Wolke der Unsicherheit. 34 Finanzdienstleister haben in Malta eine Krypto-Lizenz beantragt, von denen bisher keine erteilt wurde.

Die grösste Herausforderung ist jedoch der Zugang zu Bankdienstleistungen. Nachdem Malta von der EU angewiesen worden war, seine Regeln zur Bekämpfung der Geldwäsche (AML) zu klären – in einem Bericht eines EU-Ausschusses vom Januar 2018 hiess es: „Allgemeine und systematische Mängel“ bei der Durchsetzung der AML-Regeln durch Malta – waren die Banken gezwungen, die Beziehungen zu „hochriskanten“ Kunden zu beenden. Nachdem die Deutsche Bank die Beziehungen zur Bank of Valetta abgebrochen hat, ist es sogar schwierig geworden, US-Dollar zu verarbeiten.

Die Verlagerung von Blockchain-Unternehmen an andere Standorte ist daher wenig überraschend. Einige von ihnen sind nach Liechtenstein und in die Schweiz gekommen, aber auch grössere Volkswirtschaften sind auf dem Radar erschienen.

Da der Bedarf an blockchainspezifischen Regelungen von Regierungen auf der ganzen Welt zunehmend erkannt wird, beginnen Unternehmen auch in Länder wie die USA oder Deutschland zu ziehen, in der Hoffnung, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Regulierungsbehörden aufholen werden. Und das könnte in der Tat bald geschehen, auch wenn der Prozess im Vergleich zu kleineren Ländern mehr Zeit in Anspruch nimmt. 

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