Die Ethereum-Entwickler haben beschlossen, die Verwendung von ASICs im Ethereum-Netzwerk einzustellen. Bei dieser Entscheidung geht es nicht mehr nur um Hardware.

Die Ethereum-Kernentwickler trafen sich Anfang Januar, um über eine Protokolländerung zu diskutieren. Ziel ist es, den Einsatz von ASICs im Ethereum-Mining zu reduzieren oder sogar zu eliminieren.

Diese Protokolländerung hat Auswirkungen auf den zukünftigen Verlauf des Netzwerks. Es berührt auch multiple Interessen und ist ein Schaufenster für Blockchain-interne Machtspiele und eigenständige Unternehmensinteressen.

Was sind ASICs und warum sind sie umstritten?

Proof-of-Work (PoW)-basiertes Krypto-Mining erfordert eine spezielle Hardware. Am Anfang verwendeten Bitcoin-Miner CPUs (Central Processing Units), um Bitcoins zu gewinnen. Später wechselten die Miner zu GPUs (Graphics Processing Uniits), die sich mehr auf ihre Mining-Fähigkeiten spezialisiert hatten.

Schliesslich wurden ASICs – Application-Specific Integrated Circuit – eingeführt. Diese Mikrochips können einen Hash (Reihenfolge an Zahlen und Buchstaben) bis zu 100.000 mal schneller berechnet werden als CPUs und sind ausserdem äusserst effizient im Krypto-Mining.

Vorteile: Sie sind schneller und bringen Rechenleistung in das Netzwerk.

Nachteile: Zuvor war das Mining auf Tausende von Miners weltweit verteilt gewesen. Bei ASICs dominieren nun nur eine Handvoll industrialisierter ASIC-Miningbetriebe das Netzwerk. Ein Teil des Grundes ist, dass ASICs sehr teuer sind, und es dadurch teurer macht, einen Mining-Betrieb zu starten.

Viele Krypto-Enthusiasten glauben, dass diese Dominanz im Gegensatz zur ursprünglichen Idee der Dezentralisierung steht. Mit zentralisierten Mining-Farmen ist Bitcoin zu einer Darstellung des Systems geworden, das es ersetzen wollte.

Ethereum betrachtet den Bergbau als eine vorübergehende Lösung

Ethereum war nie als Netzwerk für Miner gedacht. Stattdessen arbeiten die Entwickler an einem Algorithmus namens „Caspar“, der auf Proof-of-Stake (PoS) basiert. Aber bisher sind die Fortschritte langsamer als erwartet.

PoS ist ein Konsensprozess, der nicht viel Rechenleistung erfordert. Mining hingegen erfordert Knoten zur Lösung komplexer mathematischer Rätsel und verbraucht daher grosse Mengen an Energie.

Deshalb ist PoS im Vergleich zum Mining umweltfreundlicher und könnte einige der Skalierbarkeitsprobleme wachsender Blockchain-Netzwerke lösen.

Da Caspar noch nicht vollständig entwickelt ist, wird PoW-basiertes Mining derzeit im Ethereum-Netzwerk eingesetzt. Aber das war immer nur als Übergangslösung gedacht, bis Caspar bereit ist, zu übernehmen.

Neuer ASIC-Miner bedroht die Machtstruktur von Ethereum

Allerdings war Ethereum nie besonders „bergbaufreundlich“. Und schon gar nicht bei ASIC-Minern.

Deshalb ist der aktuelle Ethash-Algorithmus von Ethereum ASIC-resistenter als andere Krypto-Algorithmen. Es gleicht das Spielfeld zwischen GPUs und ASICs aus, zumindest in gewisser Weise.

Dank Ethash befand sich Ethereum noch in der Ära des GPU-Mining, bis vor etwa sechs Monaten.

Dann begannen sich die Dinge zu ändern. Bitmain, ein chinesischer Hersteller von ASIC-Minern, hat mit dem Antminer E3 den ersten auf Ethereum spezialisierten ASIC-Miner vorgestellt.

Auch wenn die E3 im Vergleich zu GPUs nicht überlegen ist – nur etwa 100% bis 200%, was nicht viel ist – stellte sie eine Bedrohung für die Ethereum-Kernentwickler dar.

Ethereum schlägt zurück: Algorithmus-Änderung

Die E3 würde den Bergleuten mehr Macht im Netzwerk geben, aber die Entwickler schlagen zurück.

Erstens wird die harte Arbeit in Konstantinopel die Belohnungen für den Bergbau von fünf auf zwei Ether reduzieren. Eine signifikante Reduzierung. Die harte Arbeit war im Januar geplant, wurde aber auf Februar verschoben.

Es ist innerhalb des Netzwerks eher unumstritten. Es gibt also nicht wirklich etwas, was die Bergleute dagegen tun können. Der Community-Support erfolgt durch das Entwicklungsteam.

Zweitens trafen sich die Ethereum-Kernentwickler Anfang Januar, um darüber zu diskutieren, wie man die ASIC-Resistenz von Ethereum weiter stärken kann.

Das Ergebnis: Ein neuer Mining-Algorithmus namens ProgPoW.

ProgPoW ist eine Modifikation des aktuellen Ethash- Algorithmus. Es reduziert den Vorteil von ASIC-Minern gegenüber GPUs. Infolgedessen wird das ASIC-Mining nicht mehr lukrativ sein.

Ein Powerplay zwischen Entwicklern und Minern

Dabei geht es nicht nur um Hardware. Entwickler und Miner konkurrieren im Netz um die Macht. Je mächtiger die Miner, desto weniger mächtig sind die Entwickler und umgekehrt.

All dies steht im Mittelpunkt vieler Branchendebatten und dreht sich um die Frage der Dezentralisierung.

In einem von Bergleuten regierten System wird es schliesslich zentralisierte Mining-Farmen geben, die von Konzernen geführt werden. Nur eine Handvoll dieser Miner könnten zusammenarbeiten und das Netzwerk manipulieren.

Wenn das Mining jedoch stärker über das gesamte Netzwerk verteilt ist, wie es beim CPU- oder GPU-basierten Mining der Fall ist, werden die Kartelle der Bergleute weniger mächtig sein.

Aber in diesem Fall wird die bestehende Power-Lücke durch die Netzwerkentwickler geschlossen, die dann die Blockchain ohne Herausforderer steuern können.

Chinesische ASIC-Hersteller vs. amerikanische GPU-Hersteller

Neben dem Machtspiel von Minern und Entwicklern spielen auch unternehmerische und politische Interessen eine Rolle.

Der chinesische ASIC-Hersteller Bitmain ist auf diese Kryptowährungen angewiesen, die das ASIC-Mining ermöglichen. Aber die Hälfte der Top-12-Kryptowährungen hat PoW bereits durch andere Konsensmechanismen ersetzt. Daher brauchen sie keine Miner mehr, und Bitmain wird überflüssig.

Amerikanische GPU-Hersteller wie AMD und Nvidia unterstützen ProgPoS, weil es die Möglichkeiten des ASIC-Mining reduziert und ihre GPUs wettbewerbsfähig hält. Allerdings werden auch GPU-Hersteller betroffen sein, wenn Ethereum zu Caspar wechselt.

Insgesamt zeigt diese Geschichte, dass die Blockchain-Industrie zu einer Grösse herangewachsen ist, in der es mehrere mächtige Interessen gibt, die ständig versuchen, die Oberhand zu gewinnen. Die Idee eines völlig dezentralen, verteilten und vertrauenswürdigen P2P-Netzwerks bleibt utopisch. Anarchien werden von den Stärksten beherrscht.

Da Blockchain noch eine neue Technologie ist, ist es oft schwierig, die Interessen bestimmter Entscheidungen zu verstehen. Aber letztendlich, ob es sich nun um ASICs, PoS-, PoW- oder Hash-Algorithmen handelt, kommen die meisten Probleme auf eine einfache Frage zurück: Wer hat die Macht in der schönen neuen Blockchain-Welt?

 

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