Eine aktuelle Bitkom-Studie zeigt, dass kleine Unternehmen in Deutschland die Blockchain-Technologie nicht erforschen. Grosse multinationale Unternehmen sind viel aktiver im Weltraum.

Da die Befürworter einer stärkeren Blockchain-Gesetzgebung in der Bundesregierung immer lauter werden, geht eine neue Studie davon aus, dass deutsche Unternehmen bereits in Rückstand geraten sind. Laut Bitkom ist der Einsatz von Blockchain in Unternehmen im Vergleich zu ihren internationalen Konkurrenten nur etwa durchschnittlich.

Bitkom-Studie zeigt, dass es in Deutschland an Begeisterung für Blockchain mangelt

Bitkom ist ein Verband, der die digitale Wirtschaft Deutschlands vertritt. Zu ihr gehören derzeit mehr als 2.600 Unternehmen, die im digitalen Bereich tätig sind. In einer aktuellen Studie wurden 1.004 Unternehmen mit jeweils mindestens 50 Mitarbeitern zu ihren Ansichten zur Blockchain-Technologie befragt. Alle Unternehmen stammten entweder aus der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Logistik, dem Handel, der Energie- und Versorgungswirtschaft, dem Bank- und Versicherungswesen oder dem öffentlichen Sektor. Darüber hinaus führte Bitkom Interviews mit 14 deutschen Blockchain-Experten.

Die Ergebnisse sind nicht schmeichelhaft: 46% der Befragten sind der Meinung, dass die deutschen Unternehmen nicht hinter ihren internationalen Wettbewerbern zurückbleiben. 40% denken, dass Deutschland im Durchschnitt liegt. 10% sagen sogar, dass Deutschland weit hinter der internationalen Ebene der Blockchain-Akzeptanz zurückbleibt. Kein einziger Umfrageteilnehmer glaubt, dass deutsche Unternehmen zu den weltweiten Pionieren der Branche gehören.

Bitkom-Präsident Achim Berg: „Blockchain befindet sich derzeit in einem frühen Stadium; es fehlt uns noch ein breites Spektrum an Lösungen für den Alltag. Die Blockchain-Technologie hat jedoch ein enormes Potenzial und kann viele unserer aktuellen Geschäftsprozesse stören. Deshalb müssen sich Unternehmen schon heute in Forschung und Entwicklung engagieren.“

Abwechslungsreiche Landschaft: Kluft zwischen kleinen und grossen Unternehmen

Während kleine Unternehmen nicht Blockchain-tauglich sind, werden grössere Unternehmen viel mehr in die Technologie investiert.  Nur 2% der Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern nutzen Blockchain auf allen Ebenen ihres Unternehmens. 4% planen dies zu tun. Bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern nutzen jedoch 17% bereits Blockchain, und 27% planen den Einsatz.

Das bedeutet, dass Blockchain in Deutschland für Grossunternehmen relevanter ist. Die meisten Innovationen kommen aus multinationalen Konzernen wie Daimler, Volkswagen oder E.ON. Starts sind im Feld nicht so aktiv.

Nach Angaben von LSP Digital gibt es in Deutschland 120 Blockchain-Startups. 64 dieser Unternehmen haben ihren Sitz in Berlin. Nicht viel, verglichen mit den mehr als 750 Firmen, die sich rund um Liechtenstein und das Crypto Valley der Schweiz angesiedelt haben.

Deutsche Start-ups suchen ihr Glück woanders

Ein Teil des Grundes ist das regulatorische Umfeld. Fehlende Vorschriften und Rechtssicherheit sind vor allem für Start-ups ein Problem. Sie haben keine starke Lobby und keine Budgets für teure Rechtsstreitigkeiten mit der Regierung. So sind viele deutsche Blockchain-Firmen in Deutschland ausgestiegen oder haben nicht einmal begonnen. Stattdessen haben sie sich in Liechtenstein oder der Schweiz niedergelassen, was sich als viel entgegenkommender erwiesen hat.

Kürzlich hat die Bundesregierung progressivere Botschaften gesendet und eine Blockchain-Strategie bis zum Sommer 2019 angekündigt. Berg sagt: „Das ist ein wichtiges Signal. Deutschland muss ein Pionier der internationalen Blockkettenentwicklung werden.“

Stimmt. Aber bisher war es zu wenig und zu spät. Firmen, die weg sind, werden nicht schnell zurückkommen. Dennoch ist die Entwicklung in Deutschland im Gange. Es ist wahrscheinlich, dass die meisten Innovationen aus den etablierten Kraftzentren Deutschlands kommen werden. Start-ups suchen ihr Glück woanders.

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