Bei den angemeldeten Blockchain-Patenten belegt Deutschland weltweit den vierten Platz. Nicht so schlimm, aber ist es gut genug?

Die Gesamtzahl der Blockchain-Patente weltweit ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Vor sechs Jahren gab es nur 72 registrierte Blockchain-Patente. Im vergangenen Jahr gab es 4.673 neue Patente. Vor dem Jahr 2012 war die Blockchain nur bei sehr wenigen Unternehmen auf dem Radar. Der Boom begann 2017 und dauert bis heute an.

Laut IPlytics aus Berlin sind derzeit rund 539 Blockchain-Patente in Deutschland registriert. Das sind 231 mehr als in der Schweiz. Es ist aber auch 4.409 weniger als in den USA.

Die USA sind mit 4.984 angemeldeten Patenten mit Abstand führend im Blockchain-Paket. China belegt mit 1.452 Patenten den zweiten Platz, Grossbritannien den dritten mit 711 Patenten und Deutschland den vierten Platz. So schlimm ist es doch nicht. Betrachtet man jedoch die Ränge 4 bis 10, so sind die Unterschiede eher gering. So belegt die Schweiz mit 308 Patenten den 8. Platz. Allerdings ist die Schweiz mit 8,5 Millionen Einwohnern auch etwa zehnmal kleiner als Deutschland.

Blockchain-Akzeptanz scheint in Deutschland vergleichsweise gering zu sein.

Kritiker sagen, dass die Technologinnation Deutschland ins Hintertreffen gerät und ihrem technologischen und wirtschaftlichen Potenzial nicht gerecht wird. Bei einer Pro-Kopf-Analyse kommen 5 Blockchain-Patente auf eine Million Deutsche, verglichen mit 36 Patenten auf eine Million in der Schweiz. Die gleiche Analyse für die USA würde zu 15 Patenten pro eine Million Einwohner führen. Damit schneidet die Schweiz mit Blick auf die Pro-Kopf-Metrik deutlich besser ab als alle anderen Länder, auch die USA.

Allerdings kann die Anzahl der Patente zwar als ein Indikator für die Einführung von Blockchain dienen, liefert aber nicht das vollständige Bild. Nur weil ein Unternehmen ein Patent anmeldet, bedeutet das nicht, dass es tatsächlich eine Anwendung entwickelt. Darüber hinaus lässt ein eingetragenes Patent allein keine Interpretation der Qualität seines Inhalts zu.

Bitkom sagt, dass es der deutschen Blockchain-Strategie an einer Roadmap mangelt.

Vor allem in den USA stammt ein erheblicher Teil der Blockchain-Patente von grossen multinationalen Unternehmen, nicht von Blockchain-Startups. Unternehmen wie Microsoft oder Intel, aber auch Banken und Zahlungsriesen wie Mastercard sind besonders daran interessiert, die Entwicklung von Blockchain voranzutreiben. Während deutsche multinationale Unternehmen wie Daimler, E.on oder Allianz ebenfalls Blockchain-Initiativen gestartet haben, gilt keines dieser Unternehmen als globaler Marktführer in seinem Bereich.

Laut Bitkom, dem digitalen Verband Deutschlands, geben nur etwa 6 Prozent der in Deutschland ansässigen Unternehmen an, dass sie entweder bereits Blockchain nutzen, dies planen oder zumindest darüber reden. Wenn man bedenkt, dass Blockchain für fast jedes Unternehmen Vorteile bietet, von der Rationalisierung der Lieferkette über effiziente Zahlungsprozesse bis hin zur Tokenisierung von Assets, ist dies eine relativ niedrige Quote.

Anfang des Jahres hatte die Bundesregierung eine Blockchain-Strategie veröffentlicht und konkrete Schritte vorgeschlagen, um die Entwicklung der Blockchain zu beschleunigen. So will die Regierung bis Ende dieses Jahres einen Entwurf für ein Gesetz über symbolische Anleihen vorlegen.

Kritiker argumentieren jedoch, dass die Strategie weder ehrgeizig genug ist noch konkrete Ziele oder einen definierten Zeitrahmen hat. Bitkom-Präsident Achim Berg kommentiert: „Mit der Blockchain hat Deutschland die Chance, ein weltweit führender Anbieter einer aufkommenden Technologie zu werden. Damit die Blockchain-Strategie erfolgreich umgesetzt werden kann, brauchen wir jedoch noch einen Fahrplan für einen konkreten Aktionsplan und eine Task Force, die alle erforderlichen Schritte koordiniert.“

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