Ein BlockNovum-Bericht wirft einen tiefen Blick auf das Schweizer Start-up-Ökosystem der Blockchain. Sie zeigt nicht nur das rasante Wachstum der Branche, sondern auch ihre Vielfalt. Da die Blockchain in der Schweiz wächst, versuchen die Aufsichtsbehörden, Hindernisse zu beseitigen und den Weg in die Zukunft zu ebnen.

BlockNovum – ein in der Schweiz ansässiges Blockchain-Forschungs- und Beratungsunternehmen – hat die Schweizer Blockchain-Startlandschaft analysiert. Der Bericht „Swiss Blockchain Newcomers 2018“ identifizierte und bewertete über 100 Blockchain-basierte Projekte, die 2018 lanciert wurden.

Der Bericht enthält eine Newcomer-Map, die alle neuen Startups auflistet und in fünf verschiedene Kategorien einteilt: Finanzen, Organisation, Technologie & Infrastruktur, persönlicher Gebrauch und Einzelhandel & Unterhaltung.

Die meisten Startups sind auf Finanzierungen fokussiert

Der Bericht listet 106 neue Blockchain-Starts auf. 52 davon arbeiten an Blockchain-basierten Finanzanwendungen.

22 Start-ups waren in der Organisationskategorie, d.h. sie beschäftigen sich mit Logistik, Energie oder Governance. Technology & Infrastructure börsennotiert 18 Start-ups, Retail & Entertainment und Personal Use kamen mit jeweils sieben Projekten auf den letzten Platz.

BlockNovum hat ausserdem 10 Projekte in die engere Wahl gezogen, von denen sie glauben, dass sie die Technologie in hohem Masse nutzen und das Potenzial haben, ihre Branche weiterzuentwickeln. Der Bericht enthält eine detaillierte Analyse und ein Unternehmensprofil der als Top 10 ausgewählten Start-ups.

Bericht hebt schnelles Wachstum und Vielfalt hervor

Der Bericht zeigt, wie schnell die Schweizer Blockchain-Industrie gewachsen ist. Laut einem weiteren Bericht von Crypto Valley Venture Capital gibt es mittlerweile mehr als 600 Blockchain-Unternehmen in der Schweiz und Liechtenstein zusammen. Die Branche beschäftigt auch mehr als 3.000 Mitarbeiter.

Crypto Valley Venture Capital hat ein Register für Blockchain-Unternehmen in der Schweiz und Liechtenstein eingerichtet. Im April 2017 zeigte das Register nur 350 Unternehmen, gegenüber 600 die jetzt operieren.

Der Bericht von BLockNovum zeigt auch die Vielfalt der Schweizer Blockchain-Industrie. Da rund die Hälfte aller weltweit entwickelten Blockchain-Anwendungen im Finanzdienstleistungsbereich angesiedelt sind, spiegelt das Schweizer Blockchain-Ökosystem den globalen Trend wider.

Das Blockchain-Ökosystem der Schweiz

Das Blockchain-Ökosystem der Schweiz ist weit mehr als nur Startups. Die Website des Cryptovalleys zeigt, dass neun Universitäten und Labore wie die ETH Zürich (ETHZ), die Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) oder die Universität St. Gallen direkt oder indirekt mit der Blockchain verbunden sind.

Banken, Anwälte und Dienstleistungsunternehmen sind ebenfalls Teil des Ökosystems. Und es gibt etwa 20 Vereine. Durch Workshops, Übungseinheiten, Meetups, Veranstaltungen und Diskussionen stellen sie eine informelle Verbindung zwischen der Öffentlichkeit und der neuen Technologie her.

Regulierungsbehörden beseitigen Sperren

Auf dem Weg zur Kryptonation versucht die Schweizer Regierung, Hindernisse für die Branche zu beseitigen.

Im Dezember hat die Regierung eine breit angelegte Blockchain-Strategie angekündigt, die darauf abzielt, eine rechtliche Grundlage für die Technologie zu schaffen. Anstatt neue Gesetze zu schaffen, plant die Regierung, bestehende Gesetze zu ändern.

„Wir sind der Meinung, dass dieser Ansatz am besten das Prinzip der technologischen Neutralität widerspiegelt und mit der Position der CVA (Crypto Valley Association) im Konsultationsprozess übereinstimmt“, sagt Mattia Rattaggi, CVA-Sprecherin für Regulierungsfragen.

Hauptziel ist es, dezentrale digitale Token in die Schweizer Geschäftsinfrastruktur, insbesondere in den Finanzsektor, einzubinden. Eine der Gesetzesänderungen wird es bald ermöglichen, dass Blockchain-Start-ups im Finanzbereich bis zu CHF 100 Mio. an Kundeneinlagen ohne Banklizenz aufnehmen können.

Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die Blockchain-Ökosysteme der Schweiz und Liechtensteins in den nächsten Jahren entwickeln und koexistieren werden. Der Wettbewerb ist hart, und mehrere Unternehmen sind bereits von der Schweiz nach Liechtenstein gezogen. Mit der Einführung des Blockchain Act in diesem Jahr könnte sich dieser Trend beschleunigen.

 

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