Das regulatorische Umfeld in Deutschland und der technologische Stand der Blockchain haben sich so weit entwickelt, dass die traditionellen Banken eine Chance sehen, als First Mover aufzutreten. Die deutsche Bank von der Heydt arbeitet nun mit BitBond zusammen, um digitale Innovationen voranzutreiben.

40 deutsche Banken haben bereits bei der deutschen Finanzmarktaufsicht ihr Interesse an einer Lizenz für die Bereitstellung von Krypto-Handels- und Verwahrungsdienstleistungen bekundet. Dies erfolgt nach einer Gesetzesänderung, die am 01. Januar 2020 in Kraft tritt und es deutschen Banken erlaubt, ihren Kunden solche Dienstleistungen anzubieten.

Eine der ersten Banken, die von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, war die Berliner solarisBank, die bereits länger im digitalen Raum tätig war. Jetzt sei „ein guter Zeitpunkt, um anzufangen“, sagte der Geschäftsführer der Bank, Michael Offermann. „Digitale Assets werden die Finanzmärkte grundlegend verändern. Sobald es einfacher wird, Bitcoin und andere Krypto-Assets zu verkaufen und zu lagern, erwarten wir ein starkes Wachstum.“

Die solarisBank ist kein Unbekannter in der digitalen Welt, aber auch andere, weniger technikaffine Banken entdecken die neue Anlageklasse. Das Münchner Bankhaus von der Heydt, eine traditionelle Bank mit Schwerpunkt auf vermögende Privatpersonen, will nun zum digitalen Vorreiter werden. Die Bank kündigte an, dass sie plant, Anleihen zu tokenisieren und sogar einen eigenen, an den Euro gekoppelten Stablecoin zu entwickeln.

von der Heydt und Bitbond: Motor der digitalen Innovation

Geschäftsführer Philipp Doppelhammer sagte, dass die Bank die technologischen und regulatorischen Entwicklungen rund um die Blockchaintechnologie zur Kenntnis genommen hat und glaubt, dass es an der Zeit ist, in den Markt einzutreten und Blockchainbasierte Finanzdienstleistungen anzubieten.

„Wir beobachten die Entwicklung von Blockchainbasierten Finanzdienstleistungslösungen schon seit geraumer Zeit, da wir glauben, dass sie unseren Kunden einen enormen Mehrwert bieten werden. Wir sind optimistisch, dass die Tokenisierung von Vermögenswerten jetzt aus regulatorischer und technologischer Sicht marktreif ist“, so Doppelhammer.

Auf der technischen Seite arbeitet die Bank mit dem deutschen FinTech Bitbond zusammen. Das Berliner Unternehmen war das erste Unternehmen, das von der deutschen BaFin die Genehmigung für ein öffentliches Security Token Offering (STO) erhalten hat.

„Wir arbeiten mit mehreren Banken und Finanzintermediären an verschiedenen Projekten im Bereich der Tokenisierung und der Verwahrung digitaler Vermögenswerte. Wir freuen uns besonders über die Zusammenarbeit mit von der Heydt, da diese Bank eine der ersten ist, die die Blockchain-Technologie im Bereich der Tokenisierung und der Privatplatzierungen einsetzt. Wir glauben, dass viele Banken diesem Beispiel folgen werden“, sagt Bitbond-Gründer und CEO Radoslav Albrecht.

Krypto bietet Möglichkeiten für kleine Banken; zumindest vorübergehend

Die Blockchaintechnologie bietet insbesondere kleineren Banken Chancen, da sie die derzeitige Dynamik nutzen können, um ihren Kunden Dienstleistungen anzubieten, die ihre grösseren Konkurrenten möglicherweise noch nicht anbieten. Ausserdem können kleinere Banken schneller vorankommen, da die Entscheidungsprozesse kürzer sind und weniger Personen und Hierarchieebenen involviert sind.

Das ist auch der Grund, warum noch keine der grossen Banken einen riesigen Schritt in die Blockchain gemacht hat, während kleinere Banken – zum Beispiel die liechtensteinische Bank Frick – bereits eine breite Palette von Krypto-Dienstleistungen anbieten.

Dieses Gelegenheitsfenster wird sich aber bald schliessen. Mit den Regulierungen und der ausgereiften Technologie ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Grossbanken in die Kryptographie einsteigen werden. Und wenn sie erst einmal dabei sind, werden sie dies in grossem Stil tun.

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