Liechtenstein will sich als einer der wichtigsten Akteure in der globalen digitalen Wirtschaft positionieren. Daniel Risch, Wirtschaftsminister, erläutert die Agenda der Regierung.

Liechtenstein hat in den letzten Jahren für seine wachsende Blockchain-Industrie grosse internationale Aufmerksamkeit erlangt. Die positive Haltung der Regierung gegenüber blockchainfreundlichen Regulierungen hat eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der noch jungen Industrie gespielt. Insbesondere das Blockchain Act, das diesen Monat in Kraft tritt, hat eine Armada internationaler Unternehmen und Start-ups in das kleine Alpenland gelockt.

Es gibt jedoch mehr als das Blockchain-Gesetz. Die liechtensteinische Regierung hat einen strategischen Ansatz für den Aufbau eines funktionierenden digitalen Ökosystems gewählt. Der liechtensteinische Wirtschaftsminister Daniel Risch hat in einem Interview mit der Netzwoche Einblicke in die langfristigen Pläne und Strategien der Regierung gegeben.

Liechtenstein betrachtet die Digitalisierung als langfristigen Trend

Risch erklärt seine Auffassung, dass die Digitalisierung kein kurzfristiges Phänomen ist, sondern ein langfristiger Trend, der Gesellschaft und Wirtschaft in den kommenden Jahrzehnten beeinflussen wird. Daher brauchen die Regierungen eine langfristige Strategie, anstatt kurzfristige Erfolgsgeschichten anzustreben.

Risch: „Die Digitalisierung ist entweder etwas, an dem man teilnimmt oder nicht. Es ist auch nicht erst seit gestern passiert und wird morgen nicht wieder verschwinden. Für uns ist die Digitalisierung ein Innovationstreiber, der für unsere Wirtschaft, Bildung und Verwaltung von zentraler Bedeutung ist, und wir bemühen uns konsequent darum, ein führender Akteur zu sein.“

Liechtenstein ist eine Nation von Unternehmern, erklärt Risch. Auf acht Einwohner kommt ein Unternehmen, was im Vergleich zu anderen Ländern ein hoher Anteil ist. Deshalb ist es für Liechtenstein so wichtig, ein funktionierendes Geschäftsumfeld zu schaffen. Da Blockchain ein ausgezeichnetes Potenzial für alle Arten von Unternehmen bietet, hat Liechtenstein die Technologie als einen besonderen Schwerpunkt seiner digitalen Agenda gewählt.

Digitale Schwerpunktbereiche: Infrastruktur, Gesetzgebung und Zusammenarbeit

Auf die Frage nach bestimmten Schwerpunkten in der digitalen Agenda Liechtensteins betonte Risch den Aufbau der notwendigen Infrastruktur. So werden in diesem Jahr beispielsweise 50% aller Haushalte in Liechtenstein über einen Glasfaserkabelanschluss verfügen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Regierung ist die Schaffung eines rechtlichen Rahmens für ein effizientes Wirtschaften. Das Blockchain Act ist ein Beispiel dafür. Die Gesetzgebung ist ein Faktor, der Liechtenstein einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Nachbarn verschafft hat.

Darüber hinaus will die Regierung die Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik erleichtern. Risch erwähnte die Initiative Digital-Liechtenstein, eine Plattform für digitale Innovationen, die den Aufbau einer digitalen Wirtschaft in Liechtenstein fördern soll.

E.Regierung: Wenn Industrie 4.0 auf Verwaltung trifft 1.0

Im Vergleich zu anderen Nationen ist Liechtenstein im Bereich E-Government relativ fortschrittlich.  Risch räumt aber auch ein, dass sich die Fortschritte in letzter Zeit etwas verlangsamt haben: „Es könnte immer etwas besser sein. Wenn Industrie 4.0 auf Administration 1.0 trifft, werden wir ein Problem haben. Wenn Sie mich fragen, wie aktuell wir heute in Bezug auf die Digitalisierung unserer Verwaltung sind, würde ich sagen, dass wir uns in der Verwaltung 2.0 befinden. Wir sind jedoch bestrebt, uns in dieser Hinsicht zu verbessern.“

Die Digitalisierung muss letztlich dem Anwender zugute kommen, sagt Risch. Sie muss einen Mehrwert für die Bürger schaffen. Liechtenstein baut derzeit eine digitale Authentifizierungslösung auf und will seine Verwaltung straffen, um reibungslose End-to-End-Prozesse für seine Bürger und Unternehmen zu schaffen.

Auf die Schweiz angesprochen, glaubt Risch, der viele Jahre in der digitalen Industrie der Schweiz tätig war, dass die beiden Länder viel gemeinsam haben. Er betonte aber auch, dass Liechtenstein aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Europäischen Wirtschaftsraum einen Vorteil gegenüber seinem Nachbarn hat. Liechtenstein sei aufgrund seiner geringen Grösse und seiner vereinfachten Strukturen ein hervorragender Standort für Technologieunternehmen.

Bild: ©shutterstock