Liechtensteins Banken müssen digitalisiert werden, wie die Banken in jedem anderen Land auch. Sie stehen vor ähnlichen Herausforderungen, aber Liechtenstein bietet auch gewisse Vorteile. Wie ist der Stand des Digital Banking in Liechtenstein?

„Eine zukunftsorientierte Wirtschaft braucht ein stabiles Bankensystem“, sagte Patrick Läser, CEO der Liechtensteiner Alpinum Bank. „Angesichts der Corona-Krise sind die Aufsichtsbehörden der Meinung, dass die Banken flexibler sein und gleichzeitig eine gute Ordnung aufrechterhalten sollten. Wir unterstützen diese Bemühungen“, sagte Patrick Läser.

Ein Teil der „Flexibilisierung“ bedeutet auch mehr Digitalisierung. Die Alpinum Bank will mehr digitale Dienstleistungen für Private-Banking-Kunden, Intermediäre und Unternehmer in Liechtenstein, der DACH-Grossregion und in Osteuropa anbieten.

Das entspricht auch der Position des Liechtensteinischen Bankenverbandes (LBA), der auf seiner Website feststellt, dass sich der liechtensteinische Bankensektor „inmitten eines tiefgreifenden Transformationsprozesses befindet, der die traditionelle Wertschöpfungskette aufbricht und unsere gewohnten Geschäftsmodelle grundlegend verändert“.

Das klingt alles wunderbar innovativ, aber was geschieht tatsächlich vor Ort? Es gibt heutzutage kaum eine Bank auf der Welt, die nicht über Digital Banking, Fintech und Innovation spricht. Das Problem ist, dass viele nicht ihren Worten Taten folgen lassen.

Liechtensteins Banken digitalisieren

Genau wie in den Nachbarländern haben Liechtensteins Banken Mühe, den Sprung ins digitale Zeitalter zu schaffen. Aber es tut sich etwas, wenn auch vielleicht nicht so schnell, wie wir es uns wünschen.

Die Alpinum Bank wird die kommenden Monate nutzen, um einige ihrer Dienstleistungsangebote zu digitalisieren. Eine dieser Initiativen ist ein digitales Onboarding-Tool für Stiftungen, um die Art und Weise, wie diese Akteure komplexe Vermögensstrukturen aufbauen, zu rationalisieren – ein guter Ausgangspunkt angesichts der Bedeutung von Stiftungen in Liechtenstein.

Auch die zweitgrösste Bank Liechtensteins, die LLB-Gruppe, treibt ihre digitale Agenda zunehmend voran. Im Jahr 2017 lancierte die Bank ein neues Webportal, bei dem das Benutzererlebnis im Vordergrund steht und eine Reihe von digitalen Dienstleistungen integriert werden. Es ist Teil der Strategie StepUP2020 der Bank, in deren Rahmen die LLB-Gruppe ihre digitale Infrastruktur, Produkte, Dienstleistungen und Kanäle aufbauen will.

COO Kurt Mäder spricht von einer Multichannel-Strategie, in der die Bank zu einem „Ort der persönlichen Erfahrungen“ werden soll. Mäder sieht die Rolle der Technologie darin, die Kundenberatung der Bank zu unterstützen. Neben den Filialdienstleistungen der Bank sollen die Kunden auch über das Webportal und Video-Chats mit den LLB-Mitarbeitenden kommunizieren können.

Mit der Bank Frick ist Liechtenstein auch der Heimatstandort eines der europäischen Blockchain-Bankenpioniere. Die Bank war eine der ersten, die Blockchain-Banking anbot und hat sich zu einem der führenden Akteure in diesem Bereich entwickelt.

Viele Vorteile, aber ähnliche Herausforderungen

Es ist also richtig, dass die liechtensteinischen Banken die Digitalisierung vorantreiben. Ein Vorteil ist, dass die liechtensteinischen Banken im Vergleich zu Banken in anderen Ländern vergleichsweise kleiner und damit flexibler sind. Sie sehen in der Digitalisierung auch eine grosse Chance, sich gegenüber der grösseren Konkurrenz einen Vorteil durch ein verbessertes Dienstleistungsangebot und tiefere Kosten zu verschaffen.

Ein weiterer Vorteil ist die Nähe zu Fintech-Firmen in Liechtenstein und im Grossraum Crypto Valley, zu dem auch Zürich gehört. Die liechtensteinischen Aufsichtsbehörden haben sich auch als Befürworter des digitalen Bankwesens erwiesen, indem sie eine praktikable Gesetzgebung geschaffen haben; ein Beispiel dafür ist das liechtensteinische Blockchaingesetz.

Trotz dieser Vorteile stehen Liechtensteins Banken vor ähnlichen Herausforderungen wie Banken in anderen Ländern: Es gibt regulatorische Hürden, die Digitalisierung erfordert Investitionen in die Infrastruktur, und die Kunden müssen auf neue Technologien vertrauen. Der liechtensteinische Bankensektor ist auf einem guten Weg, aber wie in anderen Ländern ist auch hier noch ein langer Weg zu gehen.

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