Die digitale Revolution hat sich in den letzten Jahren in vielen verschiedenen Arbeitsbereichen etabliert. Besonders in der Finanzbranche ist die Digitalisierung schon lange kein Fremdwort mehr. Gerade in diesem Sektor bieten sich viele Chancen, aber auch Herausforderungen, die erst überwunden werden müssen. Es ist nun Aufgabe der Regierung und der verschiedenen Bildungsstätten, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger wegweisend in Richtung Digitalisierung zu führen. Die Universität Liechtenstein bietet dazu ab Januar 2020 den Pionier-Zertifikatsstudiengang „Digital Legal Officer“ an.

Mag. iur. Bianca Lins, LL.M., wissenschaftliche Mitarbeiterin des Propter Homines Lehrstuhls für Bank- und Finanzmarktrecht, stellt uns hier den neuen Zertifikatsstudiengang vor:

Ramona: Liebe Bianca, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns über euren neuen Studiengang zu sprechen. Wie ist die Idee zum Studiengang „Digital Legal Officer“ denn entstanden?

Bianca: Nun, wie Du schon richtig gesagt hast, Digitalisierung ist kein Fremdwort mehr, schon gar nicht in der Finanzindustrie. Vielmehr ist digital das neue „Normal“. Die digitale Transformation, die die Branche in den letzten Jahren erlebt hat, war einschneidend und nachhaltig. Und sie ist längst nicht abgeschlossen. Die Bandbreite an Innovationen und technologischen Erneuerungen, sei es im Bereich Blockchain, Künstliche Intelligenz, im Bereich digitaler Zahlungsverkehr, Crowdfunding und –investing, usw., ist sehr gross. All diesen Themen ist aber eines gemein: Die Frage nach dem Recht. Die Digitalisierung der Finanzbranche setzt sich aus vielen kleinen Puzzleteilen zusammen; dementsprechend fragmentiert sind auch die rechtlichen Aspekte. Schliesslich gibt es ja kein einheitliches Regulierungskonzept. Wir haben, insbesondere auch in Gesprächen mit Praxisvertretern, gemerkt, dass die Nachfrage und der Bedarf nach einem Programm mit Fokus auf die rechtlichen Fragestellungen der Digitalisierung gross ist. Das haben wir zum Anlass genommen, eine praxisorientierte Spezialausbildung zu schaffen, die genau diese Themen behandelt und umfassende Fachkompetenzen im Recht der digitalen Finanzindustrie vermittelt.

Ramona: Wie nah ist die Universität und der Propter Homines Lehrstuhl für Bank- und Finanzmarktrecht an der Praxis?

Bianca: Der gegenseitige Austausch und Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis ist uns enorm wichtig. Wir halten enge Beziehungen zu Wirtschaft und Politik. So können wir spezifische und aktuelle Themen aufgreifen und sind als zentrale Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ein verlässlicher Partner im Bereich Aus- und Weiterbildung. Neben unserem neuen Zertifikatsstudiengang Digital Legal Officer, bieten wir auch mit unseren verschiedenen Veranstaltungen, beispielsweise der Reihe „Blockchain meets Liechtenstein“ oder zuletzt mit unserer Konferenz „Digitalization in Finance and Law“ eine Plattform, um die gegenwärtigen und zukünftigen Fragen der Digitalisierung in der Finanzbranche zu diskutieren, sich auszutauschen und zu vernetzen.

Ramona: Welche digitalen und nicht-digitalen Themen haben sich in den letzten Jahren besonders im Finanzbereich herauskristallisiert und müssen nun behandelt werden?

Bianca: Wie gesagt, die Bandbreite ist sehr gross. Einerseits wird sich die strukturelle Veränderung der Finanzbranche fortsetzen, dh egal, ob Banking, Insurance oder Investment, Kunden möchten ihre Geschäfte zunehmend digital abwickeln. Dafür braucht es geeignete Systeme, Prozesse und Strategien. Andererseits werden Technologien wie Blockchain oder Cloud-Computing vermehrt zum Einsatz kommen. Eine besonders wichtige Rolle in der Finanzbranche wird sicherlich Daten- und KI-Technologien zukommen. Und nicht zu vergessen die grosse Herausforderung Cybersecurity. All diese Themen sind natürlich auch mit vielen Rechtsfragen verbunden.   

Ramona: Warum sollten sich Studierende für den Studiengang „Digital Legal Officer“ bewerben?

Bianca: Mit unserem neuen Programm bieten wir eine einzigartige Kombination aus rechtlicher Spezialisierung rund um die digitalen Themen der Finanzbranche, gepaart mit ökonomischen und technischen Grundlagen. Aktuelle Themen, sei es auf nationaler oder europäischer Ebene, werden praxisorientiert vermittelt und damit den Studierenden das Werkzeug in die Hand gegeben, um komplexe Rechtsfragen rund um die Digitalisierung der Finanzbranche kompetent beantworten zu können. Wir haben einen sehr hohen Qualitätsanspruch, auch bei unseren Dozierenden und daher ausschliesslich erfahrene, hochkarätige Experten aus Wissenschaft und Praxis. Ausserdem werden wir regelmässig Themenabende anbieten, auch über die Dauer des Studienganges hinaus, um so unseren Studierenden eine zusätzliche Möglichkeit zu bieten, am Ball zu bleiben, sich auszutauschen und spezifische Themen zu diskutieren.

Ramona: Wie grenzt sich dieser Studiengang denn vom Studiengang „Blockchain und FinTech“ ab?

Bianca: Der Studiengang „Blockchain und FinTech“ des Instituts für Finance setzt den Schwerpunkt auf finanzwirtschaftliche und ökonomische Aspekte im Bereich der innovativen Neugestaltung bestehender finanzwirtschaftlicher Systeme, insbesondere im Bereich Blockchain und FinTechs. Zwar werden auch hier rechtliche Aspekte behandelt, diese beschränken sich aber überwiegend auf Regulierungsfragen rund um die neuen Technologien. Der Zertifikatsstudiengang „Digital Legal Officer“ ist eine juristische Spezialausbildung. Zwar werden für ein besseres Verständnis auch ökonomische und technische Grundlagen vermittelt, der Schwerpunkt liegt aber ganz klar auf dem Recht der digitalen Finanzindustrie. Diese rechtlichen Aspekte beschränken sich nicht auf den Bereich Blockchain, sondern sind auf eine Vielzahl an digitalen Themen, die die Finanzbranche aktuell beschäftigen, gerichtet. Man könnte also fast sagen, die beiden Zertifikatsstudiengänge sind „Schwestern-Studiengänge“, die sich perfekt ergänzen. Übrigens arbeiten wir an einem gemeinsamen, interdisziplinären Diplomprogramm, dass diese beiden Programme kombiniert, um einen dritten Teil erweitert und mit einem Diplom abschliessen wird. Mehr dazu werden wir voraussichtlich mit Jahresanfang berichten können.

Ramona: Und für wen ist der Zertifikatsstudiengang Digital Legal Officer besonders geeignet?

Bianca: Wer den Zertifikatsstudiengang absolvieren möchte, sollte Interesse an technologischen Themen haben, ein Basisverständnis von Innovation und innovativen Produkten im Finanzbereich und eine einschlägige Vorbildung im Finanzdienstleistungssektor, die durch mehrjährige berufliche Erfahrung oder ein einschlägiges Studium belegt ist.

Ramona: Welche Themenfelder werden während der 5 Module behandelt?

Bianca: Wir starten mit einer Einführung in die Finanzindustrie 4.0, dh Grundlagen rund um digitale Geschäftsmodelle, digitales Banking, ein erster Einblick in Fragen rund um Künstliche Intelligenz. Zwar liegt der Fokus ganz klar auf den regulatorischen Aspekten, aber wir werden uns schon hier auch mit dem Thema Digitalstrategie sowie ökonomische Grundlagen befassen. In den weiteren Modulen liegen die Schwerpunkte auf den Themen Blockchain und Distributed Ledger Technologien, Datenschutz und Datensicherheit, Cybersecurity und Recht, sowie im letzten Modul die fundamentalen Rechtsfragen digitaler Innovationen. Es gibt wirklich sehr viele spannende Themen, die wir in unseren 5 Modulen behandeln werden. Übrigens: Wer sich gerne genauer informieren möchte, kann dies gerne bei unserem Infoabend am 6.11.2019, ab 18.00 Uhr an der Universität tun. An diesem Abend werden die drei Weiterbildungsstudiengänge unseres Lehrstuhls – insbesondere eben auch der Digital Legal Officer – vorgestellt.

Ramona: Welche Art von Jobs bieten sich nach einem positiven Abschluss des Zertifikatsstudienganges „Digital Legal Officer“ an?

Bianca: Die Heraus- und Anforderungen an die Finanzindustrie sind vielfältig. Wer in diesem Bereich tätig ist oder in Zukunft in diesem Bereich tätig sein möchte, sei es in einer Bank, Wertpapierfirma, FinTech oder Aufsichts- bzw. Regulierungsbehörde, als Rechtsanwalt, Treuhänder, Vermögensverwalter oder Wirtschaftsprüfer, wird mittel- und langfristig nicht am Thema Digitalisierung vorbeikommen. Wer den Zertifikatsstudiengang erfolgreich abschliesst, hat das notwendige Know-how, um qualifiziert mit den Herausforderungen der digitalen Finanzindustrie von heute und morgen erfolgreich umzugehen.

Ramona: Vielen Dank für deine Zeit und das spannende Gespräch!

Bianca: Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Kurs-Informationen:

Der Infoabend der Weiterbildungsstudiengänge des Propter Homines Lehrstuhls für Bank- und Finanzmarktrecht findet am 6.11.2019 um 18.00 Uhr statt. Nähere Informationen und Anmeldung unter: uni.li/veranstaltungen

Zertifikatsstudiengang Digital Legal Officer – www.uni.li/digital-legal-officer

Bewerbungs- und Anmeldefrist geht noch bis zum 9. Januar 2020 mit einer maximalen Teilnehmeranzahl von 30 Personen (Mindestteilnehmeranzahl 10 Personen). Start: 16. Januar 2020. Dabei können für CHF 9.800 inkl. aller Unterlagen und Klausuren 10 ECTS Punkte erreicht werden.

Bild: ©Universität Liechtenstein/BIanca Lins