Die liechtensteinische Regierung will im Jahr 2021 digitale Führerscheine ausstellen, die im gesamten EWR gültig sein sollen. Liechtenstein ist eines der ersten Länder, das digitale Führerscheine ausstellt und kommt damit auch der Schweiz zuvor.

Die liechtensteinische Regierung arbeitet an einem digitalen Führerschein. Bereits im Jahr 2021 sollen die Fahrer in der Lage sein, ihre Dokumente auf ihrem Smartphone zu zeigen, anstatt einen physischen Führerschein mit sich zu führen.

Otto Frommelt, Direktor des Amtes für Strassenverkehr (ASV), sagte, seine Abteilung kooperiere mit dem Amt für Informationstechnologie, um eine digitale Lösung zu finden. „Wir können unsere amtlichen Dokumente sicher mit uns führen, auch wenn wir das Dokument verloren oder irgendwo vergessen haben“, so Frommelt.

Liechtensteiner Bürger werden über „eID.li“, die offizielle App der liechtensteinischen Verwaltung, darauf zugreifen können. Die App wurde im April 2020 in Betrieb genommen und ermöglicht den Nutzern Zugriff auf ihre elektronischen Ausweisdokumente und auch auf ihre persönlichen Fahrzeugdaten.

Gültig im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum

Noch besser: Der digitale Führerschein wird laut Frommelt innerhalb des gesamten Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) gültig sein. Innerhalb des EWR akzeptieren die Regierungen nicht nur digitale Versionen offizieller Dokumente, sondern fördern auch deren Nutzung. Damit dürften physische Führerscheine in den nächsten Jahren obsolet werden.

Frommelt empfiehlt Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner nach wie vor, zumindest in der ersten Phase der Einführung auch beim Fahren im Ausland einen physischen Führerschein mitzuführen. „Es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis sich die Polizei im Ausland mit digitalen Dokumenten vertraut gemacht hat und diese auch lesen kann“, kommentiert Frommelt.

Aus diesem Grund plant Liechtenstein auch eine mehrsprachige Ankündigung über seine offizielle Website, die die Gültigkeit des digitalen Dokuments bestätigt. Die Autofahrer können die Ankündigung dann der Polizei zeigen, falls es Probleme gibt.

Liechtenstein ist eines der ersten Länder, das einen digitalen Führerschein ausstellt

Diese Initiative ist aus zwei Gründen bedeutsam: Erstens ist sie einfach praktisch. Im 21. Jahrhundert ist es nicht mehr nötig, Führerscheine, Pässe oder Zulassungen mit sich herumzutragen. Die Ausstellung einer digitalen Lösung ist einfacher für die Nutzer und billiger für die Regierungen.

Zweitens ist es gute PR für Liechtenstein, dass das Land zu den ersten gehört, die digitale Führerscheine anbieten. Die Republik Kosovo war die allererste, die bereits Anfang 2018 E-Führerscheine anbot. Norwegen führte ihn im Oktober 2019 ein. Jetzt ist Liechtenstein an der Reihe.

In der Schweiz hatte das Parlament einen Vorschlag für digitale Führerscheine im Jahr 2019 abgelehnt. Im Prinzip stimmte das Parlament der Idee zu, es benötige aber zunächst eine eingehende Prüfung, um den finanziellen und administrativen Aufwand für ein solches Projekt zu klären. Ein Fahrplan zur Einführung digitaler Ausweispapiere und Führerscheine in der Schweiz liegt zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor.

Der digitale Führerschein wäre ein weiterer Meilenstein in den Bemühungen Liechtensteins, eine digitale Verwaltung zu schaffen. Sie soll die öffentlichen Dienstleistungen leichter zugänglich, effizienter und kostengünstiger machen. Bereits heute können alle Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner sowie Ausländerinnen und Ausländer, die in Liechtenstein leben oder arbeiten, eine eID anfordern. Der Führerschein ist aus der gleichen Idee heraus entstanden und ein Schritt in die richtige Richtung.

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