Der Druck zur Digitalisierung nimmt zu, vor allem in der Finanzbranche, wo Niedrigzinsen und veränderte Kundenbedürfnisse die Wettbewerbsfähigkeit der Banken beeinträchtigen. Angeblich erwägt die VP Bank Liechtenstein, ihre IT-Abteilung auszulagern. Ist das der richtige Weg in die Zukunft?

Das Bankwesen befindet sich in vielerlei Hinsicht an einem Wendepunkt. Die bedeutendste Disruption kommt von der Digitalisierung und Automatisierung: Fintechs, Neobanken, Kryptowährungen – das traditionelle Bankenmodell ist von vielen Seiten unter Beschuss geraten. Deshalb ist es wichtiger denn je, dass Banken mit Technologieunternehmen kooperieren, um sich auf das vorzubereiten, was kommt.

Das ist auch in Liechtenstein der Fall. Obwohl Liechtensteins Bankenlandschaft in Sachen Fintech weiter fortgeschritten ist und die Regierung Fintech-Innovationen aktiv vorantreibt, müssen die Banken ihre Bemühungen noch beschleunigen.

Outsourcing an externe IT-Anbieter

Laut dem Finanznachrichten-Blog „Inside Paradeplatz“ erwägt die Liechetnsteiner VP-Bank derzeit, ihre IT-Abteilung auszulagern. Paradeplatz zitiert einen „Insider“, der behauptet, das Projekt sei bereits in einem fortgeschrittenen Stadium und Swisscom oder Inventx seien mögliche IT-Partner. Die endgültige Entscheidung könnte bereits im Dezember gefallen sein.

Die Bank selbst hat solche Gerüchte nicht bestätigt. Laut der Bank ist „unsere zukünftige IT-Plattform ein zentraler Bestandteil unserer Strategie 2026, die die Grundlage für die Entwicklung unserer zukünftigen Finanzdienstleistungen sein wird.“

Die Bank bestätigt jedoch, dass sie derzeit verschiedene Möglichkeiten prüft, ihre IT-Abteilung auszulagern. „Der Grund dafür sind die möglichen Kosteneinsparungen. Die heutigen technologischen Trends erfordern, dass Sourcing und insbesondere Cloud-Lösungen Teil unserer strategischen Überlegungen sind“, sagt die Bank. „Bei der Prüfung verschiedener potenzieller Anbieter und ihrer Angebote vergleichen wir diese mit unseren strategischen und Ertragszielen, um eine umfassende Grundlage für unsere strategischen Entscheidungen zu schaffen.“

Was genau die strategischen Überlegungen der VP Bank sind, ist derzeit nicht klar. Dass Banken ihre IT-Infrastruktur verbessern müssen, ist jedoch kein Geheimnis. Die Zusammenarbeit mit spezialisierten externen Anbietern kann Banken einen Vorsprung verschaffen. Die Bank kann sich dann auf das konzentrieren, was sie am besten kann – die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen – und der IT-Anbieter kümmert sich um die technologische Infrastruktur.

Software-as-a-Service für Finanzdienstleistungen

Eine weitere Möglichkeit für Banken, ihre Infrastruktur zu verbessern, ohne ihre gesamte IT-Abteilung auszulagern, ist die Nutzung verschiedener Software-as-a-Service-Suiten. Vor allem rund um Liechtenstein und die Schweiz haben zahlreiche Start-ups innovative SaaS-Lösungen für Bankanwendungen wie Vermögensverwaltung, Zahlungsverkehr, Kreditvergabe und so ziemlich jeden Teil des Bankgeschäftsmodells entwickelt.

Einem Best-in-Class-Ansatz folgend könnten Banken den besten SaaS-Anbieter für ihre Dienstleistungen auswählen. Das erlaubt es der Bank auch, schrittweise auf ein digitaleres Angebot umzusteigen, ohne das Risiko einzugehen, ihre gesamte IT auszulagern, was die Bank von externen Dienstleistern abhängig machen würde.

Es besteht kein Zweifel, dass die Digitalisierung für jede Bank, die wettbewerbsfähig bleiben will, unumgänglich ist. Die Art und Weise, wie Banken digitalisieren sollten, steht jedoch zur Diskussion. Es wird interessant sein, die Entwicklungen bei der VP Bank zu beobachten, da man daraus auch für andere Banken Lehren ziehen kann.

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