In Europa gibt es mehr Kryptowährungs-Startups als in den USA, und die EU will auf eine bessere Regulierung drängen. Liechtensteins Blockchain-Gesetz könnte als Vorlage dienen.

Europa wird nachgesagt, dass es in Bezug auf die technologische Entwicklung hinter den USA zurückbleibt, und in vielen Bereichen ist das sicherlich wahr. Wenn es jedoch um Blockchain und Kryptowährungen geht, hat Europa günstige Bedingungen geschaffen, die mehr und mehr solcher Unternehmen anziehen.

Laut Crunchbase gibt es in Europa etwa 952 Startups, Unternehmen und Organisationen im Kryptowährungssektor. Allein in der EU gibt es 498 solcher Organisationen, und ein erheblicher Teil befindet sich in der Schweiz und Liechtenstein. Im Vergleich dazu gibt es etwa 877 registrierte Kryptowährungsunternehmen in den USA. Ausnahmsweise scheint Europa also attraktiver zu sein als die USA.

Liechtenstein unter den attraktivsten Standorten in Europa

Laut Berichten von CoinIdol sind die günstigsten Orte für Blockchain- und Kryptowährungsunternehmen in Europa Liechtenstein, die Schweiz, das Vereinigte Königreich, Luxemburg, Gibraltar und Malta. Dies sind die Länder, in denen sich die Regierungen bemüht haben, eine günstige Gesetzgebung für Blockchain-Unternehmen zu schaffen.

Blockchain-Startups innerhalb der EU neigen auch dazu, mehr Kapital über Token-Angebote zu beschaffen. Auch das hängt wieder mit der Gesetzgebung zusammen, denn die europäischen Regulierungsbehörden sind nicht so hart gegen ICOs und STOs vorgegangen wie in den USA, wo es keinen klaren Rahmen für den Umgang mit Token-Ausgabe gibt. Obwohl das auch in Europa nicht so klar ist, gibt es eine wesentliche Unterscheidung zwischen Utility Token, Security Token und Payment Token. In einigen Ländern, wie Liechtenstein, finden Emittenten einige der fortschrittlichsten regulatorischen Rahmenbedingungen weltweit.

In den USA sind viele Token-Angebote an der US-Börsenaufsicht SEC gescheitert. Ein Beispiel ist die Feindseligkeit der Aufsichtsbehörde gegen Telegram Open Network (TON). Telegram hat dann später sein TON-Projekt aufgegeben, nach einem langen Kampf mit der SEC vor Gericht. Natürlich schreckt diese Art von öffentlichkeitswirksamen Misserfolgen andere Unternehmen von Token-Ausgaben in den USA ab, und einige werden sich entscheiden, nach Europa zu kommen.

EU plant Regulatory Sandbox bis 2022

Der europäische Rechtsrahmen ist ebenfalls etwas fragmentiert, wenn auch entgegenkommender als in den USA. Die EU hat eine Blockchain Regulatory Sandbox bis 2022 angekündigt und will ein „globaler Standardsetter“ im Blockchain-Bereich werden. Diese Regulatory Sandbox wird ein gemeinsames Projekt der Europäischen Kommission und der European Blockchain Partnership (EBP) sein.

„Indem sie die Regeln sicherer und digitaler für die Verbraucher macht, möchte die Kommission verantwortungsvolle Innovationen im EU-Finanzsektor fördern, insbesondere für hochinnovative digitale Startups, und gleichzeitig potenzielle Risiken in Bezug auf Anlegerschutz, Geldwäsche und Cyberkriminalität mindern“, so die Kommission.

Wie die Daten von Crunchbase zeigen, ist Europa bereits gut positioniert, um den USA im Bereich der Krypto-Finanzierung einen Schritt voraus zu sein, aber es sind noch weitere Anstrengungen nötig. Liechtenstein hat zweifellos von Europas mangelndem Fortschritt in den vergangenen Jahren profitiert, ebenso wie die Schweiz. Beide Länder könnten als Vorlage für europäische Regulierungen dienen, und beide Länder werden auch davon profitieren, wenn Europa beginnt, die Einführung von Kryptowährungen stärker voranzutreiben. Andernfalls könnte die Krypto- und Blockchain-Innovation eines Tages aus China nach Europa kommen.

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