Die sechste Ausgabe des Finance Forum Liechtenstein fand trotz COVID am 1. September in Vaduz statt. Unter dem Motto „Die Zukunft der Finanzen“ diskutierten führende Experten über die drängendsten Herausforderungen der Branche in Liechtenstein und der Schweiz. Was wir aus der Veranstaltung mitgenommen haben.

Wie in den vergangenen Jahren standen auch dieses Jahr die digitalen Technologien im Mittelpunkt des Finance Forum. Insbesondere nach dem Ausbruch der COVID-Pandemie sehen die Unternehmen zunehmend die Vorteile der digitalen Werkzeuge, aber auch den Nachteil der mangelnden Infrastruktur dafür.

Premierminister Adrian Hasler gab den Startschuss für die Veranstaltung. Anschliessend diskutierten Markus Nigg, COO der IT-Beratungsfirma ti&m, und Günther Dobrauz, Partner bei PwC Legal Schweiz, über die fortschreitende Digitalisierung der Finanzindustrie. Beide erinnerten die etablierten Akteure der Finanzindustrie daran, sich stärker auf Fintech und die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kunden zu konzentrieren.

Ihre Botschaft scheint in Liechtenstein gut verstanden zu werden. Das Land hat sich in den letzten Jahrzehnten einen weltweit anerkannten Ruf für seine finanzielle Stabilität erworben, den internationale Investoren schätzen. Um die heimischen Finanzdienstleistungsunternehmen wettbewerbsfähig zu halten, hat Liechtenstein vor etwa fünf Jahren begonnen, seine digitale Agenda massiv voranzutreiben.

Daraus haben sich zwei Trends ergeben: Erstens sind Fintech-Startups nach Liechtenstein gezogen – oder in Liechtenstein gegründet worden – um die günstige Gesetzgebung, das Fintech-Ökosystem und die wirtschaftliche Stabilität des Landes zu nutzen. Zweitens haben in Liechtenstein ansässige Banken begonnen, ihre eigenen digitalen Agenden zu lancieren, zum Beispiel die Bank Frick, die sich zu einem europäischen Spitzenreiter im Blockchain-Banking entwickelt hat.

In letzter Zeit haben wir jedoch nicht mehr so viel über Liechtensteins digitalen Vorstoss gehört, auch weil die Pandemie die Schlagzeilen weitgehend beherrscht hat. Ein weiterer Grund ist, dass die benachbarten Volkswirtschaften, insbesondere die Schweiz und Deutschland, bei der Regulierung aufholen. Wenn ein kleines Land wie Liechtenstein seine führende Rolle bei der Digitalisierung der Finanzindustrie behalten will, müssen die Unternehmen ihre Chancen nutzen und mutig sein. Das war auch die Botschaft von Nigg und Dobrauz.

Internationale Zusammenarbeit ist für die Entwicklung von Fintech von zentraler Bedeutung

Besonders interessant war auch die Botschaft von Andréa Maechler, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Sie wies auf die Bedeutung der Geldpolitik für die Digitalisierung hin. Gemäss Maechler wird sich die wichtigste Fintech-Innovation der nächsten Jahre um die Zahlungsprozesse drehen, denn kontaktlose Zahlungen, Online-Shopping und einfache Finanztransaktionen sind die von den Bankkunden am meisten nachgefragten Finanzdienstleistungen.

Fintech wird auch grenzüberschreitende Transaktionen erleichtern, weshalb die internationale Zusammenarbeit für Fortschritte immer wichtiger wird. Joschka Fischer, der ehemalige deutsche Aussenminister, wies in seiner Rede am Finance Forum darauf hin, dass „die internationale Zusammenarbeit heute wichtiger ist als je zuvor.“

Er sagte, die Corona-Pandemie sei eine Warnung für die internationale Führung. Er verwies auch auf die zunehmenden Handelsspannungen zwischen den USA und China, die Europa zwingen werden, zusammenzukommen und als ein einheitlicher Block zu handeln, um seine Werte und Interessen zu verteidigen. Er glaubt auch, dass Länder wie Liechtenstein und die Schweiz von den zunehmenden globalen Spannungen profitieren werden, da Investoren nach einem sicheren Hafen suchen, um ihre Vermögenswerte zu schützen.

Veranstaltungsteilnehmer bleiben optimistisch

Rund 250 Entscheidungsträger, hauptsächlich aus Liechtenstein, der Schweiz, Deutschland und Österreich, nahmen an der Veranstaltung teil. Die Gäste nahmen auch an Workshops teil und tauschten ihre Meinungen in Live-Umfragen aus.

Das Ergebnis dieser Umfragen ergab ein insgesamt positives Bild und einen positiven Ausblick für den Finanzplatz Liechtenstein. Allerdings war die allgemeine Stimmung unter den Teilnehmern nicht so positiv wie in den Vorjahren. Die Referenten sahen insbesondere die zunehmende Unsicherheit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie als einen Grund für weniger Optimismus.

Darauf möchten wir von ICO.li aufbauen und Ihre Meinung über die Attraktivität Liechtensteins als Standort für digitale Unternehmen einholen. Bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit und füllen Sie den folgenden Fragebogen aus, damit wir eine realistische Einschätzung abgeben können:

https://s2survey.net/icoli-standort-liechtenstein/

Bild: ©shutterstock