Eine Delegation hochrangiger FMA-Beamter reiste letzte Woche nach Berlin, um sich mit deutschen Gesetzgebern und Beamten zu treffen. Auf der Tagesordnung standen unter anderem Regulierungsfragen und die Digitalisierung. Eine verstärkte internationale Regulierungszusammenarbeit wird für die Attraktivität Liechtensteins als Standort für Blockchain- und Kryptogeschäfte von entscheidender Bedeutung sein.

Joschka Fischer brachte es auf den Punkt, als er Anfang des Monats am Liechtensteiner Finance Forum sprach: „Die Zukunft des Finanzwesens wird stark von der internationalen Zusammenarbeit abhängen. Da die Finanzindustrie immer digitaler und globaler wird, werden Operationen wie Zahlungen oder Investitionen zunehmend auf globaler Ebene stattfinden und nicht mehr auf nationaler oder lokaler Ebene. Das erfordert einen internationalen Rahmen, sowohl in technologischer als auch in rechtlicher Hinsicht.“

Vor diesem Hintergrund reiste letzte Woche eine Delegation liechtensteinischer Beamter nach Berlin, um sich mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu treffen. Ziel dieses Treffens war ein Gedankenaustausch über die Digitalisierung, die COVID-Krise und den Finanzplatz Liechtenstein.

Die FMA sucht den internationalen Dialog

Teil der Delegation waren Liechtensteins Botschafterin Isabel Frommelt-Gottschald, Roland Müller, Präsident des Aufsichtsrates der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) und Mario Gassner, Präsident des Verwaltungsrates der FMA. Sie trafen mit Mitgliedern des Deutschen Bundestages sowie Vertretern von Verwaltungsbehörden und Unternehmen zusammen.

Gemäss offizieller Medienmitteilung der FMA zielten die Gespräche darauf ab, „Wissen über den Finanzplatz Liechtenstein auszutauschen“ und „das Vertrauen in Liechtenstein und die liechtensteinischen Finanzintermediäre zu stärken“. Die FMA unterstreicht zudem die Bedeutung des deutschen Marktes für den liechtensteinischen Finanzplatz.

Weiter wurden im Rahmen der Tagung die „Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise“ und die „Digitalisierung des Finanzsektors“, „Regulierungsfragen“ und „Geldwäschereibekämpfung“ angesprochen. Insbesondere diese vier Punkte erregten unsere Aufmerksamkeit.

Liechtenstein braucht leichten Zugang zum EWR

Es ist kein Geheimnis, dass ein grosser Teil des Erfolgs Liechtensteins als Drehscheibe für Blockchain- und Kryptogeldgeschäfte auf günstige Regulierungen zurückzuführen ist. Das Blockchain-Gesetz, das Anfang dieses Jahres eingeführt wurde, schuf ein günstiges regulatorisches Umfeld, das internationale Blockchain-Unternehmen anzog.

Viele dieser Unternehmen zogen nach Liechtenstein, um einen Ort zu finden, an dem sie ihre Produkte und Dienstleistungen lancieren und in einem späteren Schritt nach Europa expandieren konnten. Da Liechtenstein Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) ist, können von der FMA Liechtenstein bewilligte Finanzprodukte und -dienstleistungen theoretisch ohne grossen Aufwand in anderen EWR-Mitgliedsländern lanciert werden.

Von dieser Idee angezogen, kamen Unternehmen mit innovativen Ideen nach Liechtenstein, liessen sich hier ihre Wertpapierprospekte genehmigen und transferierten diese dann in Länder wie Deutschland, um dort Wertschriften zu verkaufen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das hat sich als viel weniger praktikabel erwiesen, als viele Unternehmen zunächst dachten. Produkte und Dienstleistungen, die in Liechtenstein genehmigt wurden, müssen noch von den Aufsichtsbehörden in anderen EWR-Ländern genehmigt werden. Und sie nehmen oft eine viel strengere Haltung gegenüber Blockchain- und Kryptowährungen ein als die FMA, was bedeutet, dass in Liechtenstein ansässige Unternehmen ihre Dienstleistungen möglicherweise nicht einmal im EWR vermarkten dürfen.

Deshalb ist es entscheidend, dass die FMA den Dialog mit den Regulatoren der Nachbarländer, insbesondere mit Deutschland, führt. Wenn die Handelsbeziehungen zum EWR nicht funktioniert, dann ist der Hauptgrund für Blockchain- oder Krypto-Finance-Unternehmen, nach Liechtenstein zu ziehen, weg.

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