Die liechtensteinische EXW Global steht unter Druck. Die Aufsichtsbehörden in Österreich und Deutschland haben Warnungen herausgegeben, das Unternehmen wird beschuldigt, ein Schneeballsystem zu betreiben, und gegen das Management wird derzeit ermittelt.

Die Finanzmarktaufsichtsbehörden in Deutschland und Österreich haben beide vor der liechtensteinischen EXW Global AG gewarnt. Das Unternehmen ist nach Angaben der Aufsichtsbehörden weder in Österreich noch in Deutschland zur Erbringung der angebotenen Dienstleistungen zugelassen.

EXW bietet eine Krypto-Brieftasche und eine Börse an. Auf der Website heisst es: „Exchange, Wallet, Trading, Payment – EXW ist die Antwort auf wachsende Probleme der Old Economy, der Globalisierung und des internationalen Zahlungsverkehrs.“

Das Unternehmen wurde am 24. September 2019 in Liechtenstein gegründet. Der Hauptsitz befindet sich in Klagenfurt, Österreich. Die Idee war, eine Konvertierungsplattform zwischen Kryptowährungen und Euro zu schaffen. Der EXW-Token des Unternehmens sollte auch eine stabile Gewinnquelle für die Gebühren bieten, die durch den Umtausch von Fiat-Währungen und Kryptowährungen, durch den Handel mit digitalen Assets und durch Kooperationen innerhalb der Automobilindustrie entstehen.

EXW ist in Österreich und Deutschland nicht lizenziert

Die Website liest sich: „Unser EXW Token ist ein ERC-20 Token mit dem du ohne zusätzlichen Aufwand täglich bis zu 0,32% Profit erwirtschaften kannst. Die Gewinne sind auf Basis einer Planrechnung für den Geschäftsanteil der Genossenschaft berechnet.“

„Bis zu“ 0,32% Profit täglich „ohne zusätzlichen Aufwand“ klingt gut, bedeutet aber eigentlich gar nichts. Aber schlimmer als der Marketing-Slang von EXW ist die fehlende Lizenzierung. Sowohl die FMA Österreich als auch die deutsche Bafin haben Verwarnungen ausgesprochen:

Die FMA Österreich weist darauf hin, dass die EXW GLOBAL AG „ihre Meldepflichten gegenüber dem Neuemissionskalender gemäss §24 des Kapitalmarktgesetzes 2019 (KMG 2019) in Bezug auf die in Österreich angebotenen „EXW Coin Bonds“ nicht eingehalten hat.“

Die Bafin sagt, dass die EXW keine Bafin-Lizenz zur Erbringung von Finanzdienstleistungen nach §32 des Kreditwesengesetzes (KWG) besitzt und auch nicht berechtigt ist, Zahlungsdienstleistungen nach §10 des Zahlungsaufsichtsgesetzes (ZAG) zu erbringen. Das Unternehmen steht nicht unter der Aufsicht der BaFin, und etwaige Lizenzen, die EXW zuvor in den Vereinigten Arabischen Emiraten erteilt wurden, sind in Deutschland nicht gültig. 

EXW-Management wird untersucht

Die Website bietet wenig Erklärung darüber, wie die Gewinngenerierung tatsächlich funktioniert. Mehrere Quellen beschuldigen EXW, ein Ponzi-System zu betreiben, das auf einem Belohnungssystem basiert, das hohe Renditen verspricht, die kurzfristig durch leichtgläubige Investoren finanziert werden sollen.

Laut Gerlach-Bericht wird derzeit gegen 15 Mitarbeiter des Unternehmens von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt ermittelt, und die Staatsanwaltschaft in Liechtenstein ermittelt gegen die beiden Geschäftsführer des Unternehmens. Gegenstand der Ermittlungen ist ein Newsletter, in dem EXW angeblich falsche Angaben gemacht haben soll.

Obwohl der Krypto-Raum in den letzten zwei Jahren professioneller geworden ist und die Aufsichtsbehörden weltweit die Branche verstärkt unter die Lupe genommen haben, gibt es immer noch mehr als genug dubiose Akteure. Wie bei jeder anderen Investition, jedem anderen Produkt oder jeder anderen Dienstleistung müssen die Nutzer ihre Sorgfaltspflicht erfüllen, bevor sie Geld investieren. Was mit EXW geschehen wird, bleibt abzuwarten. Aber die Zukunft sieht nicht rosig aus.

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