Die deutschen Verbände setzen sich zunehmend für einen digitalen Euro ein. Nachdem der Bundesverband deutscher Banken kürzlich eine Erklärung zur Förderung eines digitalen Euro veröffentlicht hat, beteiligen sich nun zwei Verbände von Einzelhändlern und Online-Dienstleistern am Kampf. 

Die Unterstützung für einen digitalen Euro wächst in Deutschland. Die Verbände rücken das Thema zunehmend in den Vordergrund. In der vergangenen Woche haben der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Bundesverband der Dienstleister für Online-Anbieter (BDOA) eine gemeinsame Erklärung zur Unterstützung eines digitalen Euro abgegeben.

Ihre Stellungnahme kommt nur wenige Wochen nach der Aufforderung des Bundesverbandes der deutschen Banken, die Bundesregierung auf eine zentralbankgeregelte digitale Währung zu drängen. Sie besteht aus mehr als 200 Banken im deutschsprachigen Raum, darunter Branchenführer wie Deutsche Bank, Credit Suisse und Commerzbank.

Die Botschaft dieser Verbände ist klar: Ein digitaler Euro würde die Wirtschaftstätigkeit steigern. Immer mehr Unternehmen beginnen das zu erkennen und bilden eine unterstützende Gemeinschaft für ihr gemeinsames Ziel.

Durchbruch bei der Dominanz globaler Zahlungsanbieter

HDE und BDOA hatten bereits vor mehr als 10 Jahren mit der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Idee eines digitalen Euros gesprochen. Damals reichten die technologische Basis und die politische Unterstützung für ein solches Projekt nicht aus.

Heute haben sich die Dinge geändert: Die Blockchain-Technologie macht die Einführung eines digitalen Euros ziemlich einfach – und die Diskussionen über die Libra von Facebook und die zunehmende Einführung von Kryptowährungen haben ein unterstützendes politisches Umfeld geschaffen.

HDE und BDOA vertreten hauptsächlich Einzelhändler und Online-Unternehmen. So würden ihre Gemeinschaften zu denjenigen gehören, die am meisten von einem rationaleren Zahlungsverkehr profitieren. Ziel ist es, „jederzeit sicher, preiswert und zuverlässig einzukaufen“, was „ein geeignetes europäisches digitales Zahlungssystem erfordert“, schreiben die Verbände in ihrem gemeinsamen Positionspapier „Die Zeit ist reif für einen digitalen Euro“.

Heute sind Einzelhändler auf grosse (fin)tech- und Kreditkartenunternehmen angewiesen. Stefan Genth, CEO des HDE, schrieb in einem Brief an Finanzminister Olaf Scholz: „Globale Kreditkartenunternehmen nutzen seit Jahren ihre starke Position und haben bereits eine Marktdominanz erreicht, die der Handel nicht ignorieren kann“. Genth wies auch darauf hin, dass Unternehmen wie Facebook einen unfairen Wettbewerbsvorteil haben, da sie auch Zugang zu den Kundendaten haben.

Ein digitaler Euro könnte die Monopole der grossen Techniker zerschlagen und mehr Transaktionen ermöglichen, was sich wiederum positiv auf die Wirtschaftstätigkeit in Europa auswirken würde und die „Abhängigkeit von globalen Zahlungssystemen“ verringern könnte.

Die Kosten der Untätigkeit sind hoch

Die Verbände weisen auch auf die Gefahr hin, keinen digitalen Euro einzuführen: Wenn Privatunternehmen wie Facebook die Oberhand über den Devisenmarkt gewinnen würden, wäre „eine staatliche Kontrolle der Geldwirtschaft nicht mehr möglich“. HDE und BDAO sind besorgt über die Folgen für die wirtschaftliche Stabilität.

Hinzu kommt die Konkurrenz aus China, das bereits kurz vor der Einführung einer staatlichen digitalen Währung steht. Mit ihrer eigenen digitalen Währung könnte die EZB die europäische Region stärken und es den Unternehmen ermöglichen, wettbewerbsfähig zu bleiben.

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