Das Home Office ist einer der Megatrends, der sich während der Pandemie entfaltet hat. Könnte Liechtenstein eine Vorreiterrolle übernehmen, nicht nur in Bezug auf das Home Office, sondern generell auf alternative Arbeitsmodelle? Warum nicht; das Land bietet ein ausgezeichnetes Umfeld um zu Experimentieren.

Das Home Office. Nichts hat die Arbeitswelt in den letzten Jahren mehr verändert. Die COVID-Pandemie hat den Zugang zu Arbeitsplätzen unmöglich gemacht, und der Umzug von Mitarbeitern ins Home Office war für viele Unternehmen der letzte Ausweg.

Und obwohl die Pandemie diesen Trend sicherlich beschleunigt hat, hat sie ihn nicht geschaffen, zumindest nicht in Liechtenstein. Manuel Beck, der vor kurzem einen Arbeitsplatz-Workshop mit der Hochschule Liechtenstein organisiert hat, ist der Ansicht, dass viele in Liechtenstein ansässige Unternehmen schon lange vor der COVID-Pandemie bereit für Home Office waren.

„Viele Unternehmen in Liechtenstein waren aus technologischer Sicht bereits vor der Krise auf Home Office oder andere Arbeitsmodelle vorbereitet“, sagte er in einem Interview mit der Lokalzeitung Liechtensteiner Vaterland. „Aber sie waren nicht bereit, dem eine Chance zu geben.“

Was wird nach COVID bleiben?

COVID hat die Unternehmen gezwungen, zum Home Office überzugehen, aber hat es ihre Einstellung zum Arbeitsplatz verändert? Nicht, wenn man Karin Frick, Trendforscherin am Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon bei Zürich, fragt. Sie glaubt, dass die meisten Unternehmen nach der Pandemie wieder zur Tagesordnung übergehen werden. Das Home Office war während der Pandemie nur ein „quick win“, um weiter arbeiten zu können, glaubt sie.

Aber es muss nicht Büro vs. Home Office sein. Beck erklärt, dass das Home Office nur eines von vielen alternativen Arbeitsmodellen ist. Es ist auch am einfachsten und am schnellsten zu implementieren. Aber flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten sind ebenso wichtig.

Ebenso könnten Coworking Spaces eine gangbare Alternative zum Home Office werden. Beck glaubt, dass viele Unternehmen in Liechtenstein bereits über die technologische Infrastruktur verfügen, um diese Ideen umzusetzen, aber zögern, weil die Unternehmensführung und die Mitarbeiter noch immer in ihren alten Gewohnheiten verharren. Um weiterzumachen, braucht es eine mutige Führung, um die vielen Möglichkeiten, die es bereits gibt, zu nutzen.

Liechtenstein als Arbeitsplatz-Pionier?

Beck weist auch auf die einzigartige Stellung Liechtensteins als Vorreiter für alternative Arbeitsmodelle hin. „Liechtenstein ist klein, und die meisten Arbeitgeber sind für ihre Mitarbeiter zugänglich“, sagt er. „Ich glaube auch, dass wir einen guten Grundlohn haben. Und es gibt in der Tat einige Unternehmen, die – schon vor der Corona-Pandemie – innovative Arbeitsmodelle wie Home Office oder flexibles bzw. mobiles Arbeiten ermöglicht haben.“

Aber er fügt auch hinzu: „Leider ist das nicht die Mehrheit, und es gibt viele Unternehmen, die sich noch auf die Zukunft der Arbeit vorbereiten müssen.“ Beck empfiehlt Unternehmen, sich von Experten beraten zu lassen, zum Beispiel vom Gottlieb Duttweiler Institut, oder sich mit ihm und seinem Team in Verbindung zu setzen.

Ein weiterer Grund, warum gerade Liechtenstein vom Home Office profitieren könnte, ist, dass viele in Liechtenstein arbeitende Mitarbeiter aus der benachbarten Schweiz oder Deutschland pendeln. Das Home Office könnte so Zeit sparen und zu weniger Verkehr führen. Zudem verfügt Liechtenstein weltweit über die schnellste Internetgeschwindigkeit, so dass die technologische Infrastruktur für die meisten Unternehmen kein Hindernis darstellen würde.

Beck glaubt, dass Liechtenstein weltweit ein Vorreiter für alternative Arbeitsmodelle sein könnte, wenn die Unternehmen mutig genug sind, ihnen eine Chance zu geben. „Die Umsetzung wäre in Liechtenstein einfach“, sagt er.

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