Philipp Büchel, Gründer des Blockchain Büros in Ruggell, Liechtenstein, spricht über seine ersten Erfahrungen mit Blockchain und Bitcoin und was seine Aufgabenstellung im Blockchain-Büro ist.

Ramona: Wann hast du denn das erste Mal von Blockchain und Bitcoin gehört?

Philipp: Ich habe zum ersten Mal 2012 von Bitcoin gehört. Ich fand die Idee faszinierend, selber für seine Werte verantwortlich zu sein. Als ich einen Monat später das zweite Mal über das Thema gestolpert bin, habe ich begonnen zu verstehen, wie das System funktioniert und es hat mich genau seit diesem Zeitpunkt nicht mehr losgelassen.

Ramona: Hast du dir dann gleich Bitcoin gekauft?

Philipp: Als ich begriffen habe, wie das System funktioniert und was Bitcoins sind, habe ich mir testweise Bitcoin gekauft um mehr „learning by doing“ zu betreiben, natürlich.

Ramona: Learning by Doing ist wohl der beste Weg dazu! Wann und wieso hast du dann mit Demelza Hays das Blockchain Büro gegründet?

Philipp: Das Unternehmen wurde ursprünglich gegründet, um eine juristische Person zu haben, die den Bitcoin ATM in Vaduz betreibt. Das war im Jahr 2016. Der Informations- und Beratungsbedarf hat sich dann so stark entwickelt, dass ich meinen bisherigen Job als Ingenieur an den Nagel hängen durfte.

Ramona: Wie gross ist euer Aufgabenspektrum und welche Aufgaben beinhaltet euer Portfolio?

Philipp: Wir beraten in allen Belangen, wenn es um Blockchain oder Kryptowährungen geht. Häufig halten wir Mandate von Kunden, die entweder ihr Geschäftsmodell mit einer Blockchain-Anwendung erweitern wollen, oder selber Kunden mit so einem Modell haben, welches sie besser verstehen möchten. Daneben geben wir Vorträge und machen Workshops oder leiten Projekte zur Umsetzung. Zuletzt betreibt das Blockchain Büro auch etwas, dass ich – etwas übertrieben – unseren „Forschungsarm“ nenne. Hier betreiben wir Hands-on: Probieren neue Technologien aus, realisieren Proof-of-Concept Lösungen oder greifen zum Beispiel in unserem neuesten Projekt über eine Funkverbindung per Satellit auf die Bitcoin Blockchain zu: Ein Versuch, die Abhängigkeit vom Internet zu verkleinern.

Ramona: Wie viele ICOs habt ihr denn schon betreut?

Philipp: Wir sind extrem selektiv was ICOs anbelangt. Die Geschäftsmodelle müssen überzeugen, realistisch sein und der Einsatz von Blockchain-Technologie sollte gerechtfertigt sein. Da bleibt sehr wenig übrig. In unserem Fall eine Handvoll Projekte.

Ramona: Wie hast du dir dein ganzes Blockchain-Wissen angeeignet?

Philipp: Mein Wissen ist über die Zeit mit der Geschichte mitgewachsen. Ich habe den Vorteil, dass ich die Entwicklung von Bitcoin, und später anderen Blockchain Anwendungen, miterleben durfte. Wenn man hautnah in einer solch kleinen Community dabei ist und sechs Jahre Zeit hat, bekommt das Wissen eine ganz andere Tiefe, als wenn man sich im nachhinein über Sekundärquellen oberflächlich einlesen muss. Darin liegt, so glaube ich, eines der Alleinstellungsmerkmale unserer Unternehmung. Daneben ist es natürlich wichtig, mit der rasanten Entwicklung dieser Branche Schritt zu halten. Das geht, neben Internetrecherchen, über den Besuch von Meetups, Vorträgen und an sehr wenigen Konferenzen.

Ramona: Du gibst auch öfter mal Vorträge. Gefällt es dir anderen Leuten Blockchain Wissen zu vermitteln?

Philipp: Dieser Teil gefällt mir besonders. Ich darf weitergeben, was mich begeistert und sehe direkt, wie diese Begeisterung weitere leuchtende Augenpaare findet. Das, wie auch der Kontakt und das direkte Feedback der Zuhörer, sind sehr befriedigend und machen mir Freude.

Ramona: Das ist doch schön! Ist denn ein nächster Workshop schon geplant?

Philipp: Im Moment sind keine öffentlichen Veranstaltungen geplant.

Ramona: Alles klar. Gibst du uns vielleicht noch eine kurze Prognose zu Liechtenstein und Blockchain?

Philipp: Die fortschrittliche Gesetzgebung die wir planen, wird sicher viele neue Unternehmungen ins Land bringen, die Berührungspunkte mit Blockchain Themen haben und sich in einer neuen Token Ökonomie bewegen.

Ramona: Welche Chancen siehst du dabei für Liechtenstein und Blockchain?

Philipp: Ich sehe in der Kleinheit [des Landes], der dadurch hohen Flexibilität und den kurzen Wegen eine gute Fähigkeit auf Innovation und neue Branchen zu reagieren, so, wie wir das in diesem Fall miterleben dürfen.

Ramona: Und zum Schluss noch eine Frage für alle die ein ICO, etc. planen: gibt es irgendwelche Voraussetzungen für ein ICO, damit sie von dir betreut werden?

Philipp: Die Idee muss mich überzeugen, dabei ein echtes Problem lösen und durch ein kompetentes Team gestützt sein. Die Umsetzung der Idee sollte von Leidenschaft getrieben und realistisch geplant sein. Das sind gute Voraussetzungen, damit ich effizient helfen kann, den Blockchain-Teil umzusetzen.

Ramona: Vielen Dank, Philipp für deine Zeit und für das tolle Interview!

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