Die Entwicklung intelligenter Mobilitätskonzepte ist für jede entwickelte Volkswirtschaft, auch für Liechtenstein, von grösster Bedeutung. Aber kann Liechtenstein zum Mobilitätspionier werden? Wie realistisch ist diese Vision?

Liechtenstein hat die Chance, Mobilitätspionier zu werden, glaubt Felix Schüssler von Schüssler Consulting. Letzte Woche organisierte er zusammen mit Dieter Marxer von der Noventa Gruppe einen Workshop. Ziel des Workshops war es, Mobilitätskonzepte für Liechtenstein zu entwickeln, einschliesslich digitaler Lösungen.

Digitale Werkzeuge werden in zukünftigen Mobilitätskonzepten eine Schlüsselrolle spielen

„Liechtenstein misst rund 160 Quadratkilometer, aber der grösste Teil der eigentlichen Aktivität – wie Arbeiten, Wohnen und Freizeit – findet auf knapp 18 Quadratkilometern statt“, erklärt Thomas Lorenz, CEO von Zukunft.li. „In diesem Gebiet leben rund 40’000 Menschen, und es umfasst ebenso viele Arbeitsplätze. Deshalb ist es eine grosse Herausforderung, die Mobilität und die Entwicklung der Mobilität in Grenznähe zu managen“, erklärt Thomas Lorenz, Geschäftsführer von Zukunft.li.

Dieter Marxer fügt hinzu, dass die grenzüberschreitende Mobilität in Liechtenstein in den letzten 15 bis 20 Jahren kritischer geworden ist, da grosse Teile der Arbeitskräfte des Landes täglich aus dem Ausland kommen. Um die Mobilität für künftige Generationen zu sichern, muss Liechtenstein schon heute mit der Planung beginnen.

Clarissa Rhomberg von der Hochschule Liechtenstein erklärt, dass digitale Werkzeuge eine Schlüsselrolle in der Zukunft der Mobilität spielen werden. „Ideen, die mit der Digitalisierung oder Anwendungen verbunden sind, lassen sich viel leichter umsetzen als beispielsweise Infrastrukturprojekte“, so Rhomberg. Als Beispiele nennt sie das „Sponti-Sharing“, bei dem sich mehrere Personen ein Auto teilen, oder das E-Fahrrad-Netzwerk Veloland

Liechtenstein als Vorreiter?

Digitale Werkzeuge und intelligente Mobilität werden überall immer wichtiger, aber kann Liechtenstein zum Mobilitätspionier werden?

Einer der Vorteile Liechtensteins ist, dass das Land Gesetzesänderungen relativ schnell umsetzen kann. Das ist besonders wichtig für technologische Initiativen wie das autonome Fahren oder intelligente Mobilitätsnetze. 

Eine schnelle staatliche Entscheidungsfindung kann auch zu einer raschen Umsetzung von Infrastrukturprojekten und Förderprogrammen führen. Die Veränderung von Mobilitätskonzepten und die Einbeziehung der Menschen in die Nutzung digitaler Anwendungen hängt hauptsächlich von der Bereitschaft der Nutzer zur Teilnahme ab. Die liechtensteinische Regierung ist gerade dabei, ein freiwilliges Anreizsystem namens „Mobilitätsbonus“ einzuführen, das die Mobilitätsentscheidungen der Nutzer erfasst und monetäre Anreize für umweltfreundliche Verkehrsmittel bietet. 

Ein weiterer Vorteil ist, dass es in Liechtenstein und in der Schweiz eine Reihe von Mobilitätstechnologie-Unternehmen gibt, die zur intelligenten Mobilitätsentwicklung in diesen Bereichen beitragen. Dies, kombiniert mit der Expertise in Industrie-4.0-Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Blockchain, könnte einen weiteren Beitrag zur intelligenten Mobilität in Liechtenstein leisten.

Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass eine kleine Grafschaft wie Liechtenstein allein kaum in der Lage sein wird, ein umfassendes Mobilitätskonzept zu erarbeiten. Grosse Teile der liechtensteinischen Arbeitskräfte kommen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. Deshalb wird Liechtenstein mit den Nachbarregierungen zusammenarbeiten müssen.

Nehmen Sie zum Beispiel das autonome Fahren. Es ist schön, wenn Liechtenstein eine Vorreiterrolle in der Gesetzgebung einnimmt, um autonomes Fahren zu ermöglichen. Aber wenn die Nachbarn nicht nachziehen, werden autonome Autos gerade bis zu den Grenzen Liechtensteins kommen und nicht weiter. 

Mobilität ist in erster Linie ein Infrastrukturprojekt. Unternehmen in Liechtenstein könnten die technischen Anwendungen entwickeln und in Pilotprojekten in Liechtenstein testen. Der grosse Erfolg solcher Anwendungen wird aber immer davon abhängen, inwieweit sie in den Nachbarländern skalierbar sind. Kein Unternehmen wird eine Mobilitätsanwendung nur für Liechtenstein entwickeln; der Markt ist zu klein, als dass es sich lohnen würde. 

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