Die liechtensteinische Regierung plant einen weiteren wichtigen Meilenstein in ihrer digitalen Agenda: ein eHealth-Dossier, das medizinische und genetische Informationen erfasst und darauf abzielt, die Gesundheitsversorgung zu beschleunigen.

Liechtenstein will im Jahr 2021 ein digitales Gesundheitsdossier einführen. Die Regierung hat im Rahmen der liechtensteinischen eHealth-Strategie einen Gesetzesentwurf zur Verabschiedung in den Landtag eingebracht. Ziel ist es, die Effizienz zu steigern, die Kosten zu senken sowie die Qualität und die Bearbeitungsgeschwindigkeit im liechtensteinischen Gesundheitswesen zu verbessern.

Wie funktioniert das?

Die Prozesse im Gesundheitswesen sind komplex. Mehrere Parteien sind involviert: Ärzte, Spitäler, Versicherungen und sogar Banken. Sie benötigen Daten und Informationen, um eine schnelle und effektive Behandlung, die Bearbeitung von Versicherungsansprüchen und eine ordnungsgemässe Dokumentation zu gewährleisten. Heute müssten die Patienten die erforderlichen Dokumente per E-Mail oder auf dem Postweg einsenden. Wenn jedoch alle Daten in einer einzigen digitalen Akte gespeichert wären, könnten die Patienten diese Akte problemlos mit allen Personen teilen, die Zugang zu ihr benötigen.

Die Daten im eHealth-Dossier werden in Gesundheitsdaten und genetische Daten unterteilt. Gesundheitsdaten sind z.B. Medikamente, eine Historie von Impfstoffen oder vorhandene medizinische Unterlagen von Ärzten oder Krankenhäusern. Genetische Informationen hingegen sind genetische Daten, die auf Berichten von Laboratorien, Ärzten, Apotheken und Krankenhäusern beruhen.

Der Datenschutz ist ein großes Anliegen, das viele gegen solche eHealth-Dateien haben. Der Regierungsentwurf lautet: „Der Patient kann beantragen, dass ein Versicherungsdossier keine Gesundheitsdaten oder genetischen Informationen enthalten darf.“ In der Praxis bedeutet das, dass ein Patient seiner Versicherungsgesellschaft oder seinem Arzt Zugang zu bestimmten Akten des Dossiers gewähren kann, während er andere ausblendet. Es sollte auch möglich sein, Daten aus der Akte zu löschen.

„Ein hohes Niveau des Datenschutzes ist notwendig“, heisst es in der Gesetzesvorlage. Das bedeutet, dass ein Gesundheitsdienstleister nur dann auf die eHealth-Datei des Patienten zugreifen können sollte, wenn es für die Behandlung notwendig ist, und es wird dokumentiert werden, wer wann auf die Datei zugreift. Patienten können auch ausländischen Ärzten oder Leistungserbringern Zugang gewähren.

Datenschutz ist wichtig, sollte aber Innovationen nicht blockieren

Die digitale Verarbeitung von Gesundheitsdaten wird allen am Prozess beteiligten Parteien zugutekommen. Die Gesundheitsversorgung wird schneller, billiger und besser sein, da die Datenbank verbessert wird. Die Gewährleistung des Schutzes der Patientendaten sollte sicherlich eine Schlüsselpriorität sein, aber sie sollte auch nicht zu einem Haupthindernis für die Entwicklung eines solchen Systems werden.

Eine Möglichkeit, den Datenschutz zu gewährleisten, könnte ein Blockchain-basiertes System sein. Da die Patienten und nur die Patienten die Schlüssel zu ihren Daten hätten, wäre es ihre eigene Verantwortung, ihre Privatsphäre zu schützen. Bei einem zentralisierten System bleibt diese Verantwortung bei der Regierung oder bei demjenigen, der das Netzwerk schließlich betreibt.

Bild: ©Shutterstock