SDX CEO Martin Halblaub hat seine Position aufgrund von „strategischen Unterschieden“ aufgegeben. Dies wirft die Frage auf, ob sich das Projekt wie geplant weiter verzögern oder im Jahr 2020 starten wird.

SDX-CEO Martin Halblaub wird nach nur acht Monaten Berufserfahrung Ende August zurücktreten, so ein Memo von Swissinfo. Sein schneller Abgang überraschte viele, obwohl der Exchange die Bedeutung der Ankündigung heruntergespielt hat und sagte, dass er den Betrieb und den geplanten Start im Jahr 2020 nicht beeinträchtigen wird.

Halblaub, der auch das Beratungsunternehmen Successful Boards leitet, bleibt als Berater bei der SIX. Thomas Kindler wird ihn als Interims-CEO ersetzen. Kindler ist stellvertretender Leiter des Bereichs Securities and Exchanges der SIX und ein „starker“ Kandidat, der Halblaub gemäss Memo dauerhaft ersetzen könnte. Die SIX wird eine Personalsuche starten, um einen dauerhaften Ersatz zu finden. 

Die SIX wird SDX unter ihrem Dach halten

Laut dem Memo hatten Halblaub und SIX unterschiedliche Vorstellungen von der strategischen Ausrichtung der Börse. Halblaub wollte SDX als unabhängiges Unternehmen betreiben, während SIX es unter seinem Dach halten wollte.

Halblaub sagte: „Ich habe mich schweren Herzens entschieden – angesichts unserer unterschiedlichen Strategievorstellungen, kombiniert mit der Ausdehnung, die die Rolle für mein Lebensmodell darstellt -, dass ich als Leiter von SDX kein langfristiges Engagement eingehen kann“.

Aus betriebswirtschaftlicher und regulatorischer Sicht ist es sinnvoll, wenn die SIX die Muttergesellschaft von SDX bleibt. Der Erfolg des digitalen Austauschs wird nicht nur von seiner Fähigkeit abhängen, die Infrastruktur aufzubauen, sondern auch von seiner Fähigkeit, andere Unternehmen zur Nutzung zu bewegen. SDX muss die Reputation der SIX nutzen und mit ihren Mitgliedsbanken zusammenarbeiten. Sie braucht auch grünes Licht von der FINMA, was wahrscheinlich einfacher sein wird, wenn sie als SIX-Niederlassung betrachtet wird.

Der Weg des SDX zum Erfolg wird nicht einfach sein. Der Wettbewerb wartet in den Startlöchern. Swisscom, die über eine starke Erfolgsbilanz bei der Einführung digitaler Projekte im Schweizer Finanzsektor verfügt, kooperiert mit der Deutschen Börse beim Aufbau eines digitalen Handelsökosystems in der Schweiz. Daher wird SDX jeden Wettbewerbsvorteil benötigen, den es zu erlangen gilt.

Wir machen weiter: Die „Anfangsphase“ von SDX ist abgeschlossen

Jos Dijsselhof, CEO von SIX, sagte: „Martin [Halblaub] führte SDX mit grossem Erfolg durch die Anfangsphase. Er hat die Ambitionen, die Strategie und das Geschäftsmodell von SDX mitgestaltet und ein starkes Managementteam um ihn herum aufgebaut.  Wir danken ihm für seine Unterstützung in dieser Phase.“

Nachdem diese „Anfangsphase“ nun abgeschlossen scheint, stellt sich die Frage, was als nächstes kommt.

Die Einführung der Digital Asset Exchange war zunächst für die erste Jahreshälfte 2019 geplant. Sie wurde auf die zweite Jahreshälfte verschoben und erst kürzlich auf 2020 verschoben. Die Corda-basierte Technologie ist bereit, und die Verzögerung besteht darin, zu entscheiden, welche digitalen Assets zuerst lanciert werden sollen, und in der Schweiz in Bezug auf regulatorische Änderungen.

Während es rund um SDX seit einiger Zeit relativ ruhig ist, gab es in den letzten Monaten positive Schlagzeilen: Vor zwei Wochen kündigte BlockState an, sechs ERC-20-Token an SDX zu übergeben, um Emittenten einen breiteren Markt für den Verkauf von Wertpapier-Token zu eröffnen. Ein Vertreter der Schweizerischen Nationalbank bestätigte auch, dass die Zentralbank mit der SIX Gespräche „über verschiedene Optionen zur Abwicklung der Bargeldseite“ von Geschäften führt.

Ob es durch die Abreise von Halblaub zu weiteren Verzögerungen kommt, ist unklar, auch wenn die SIX dies bestreitet. Auf der anderen Seite können manchmal auch Veränderungen im Management die Dinge beschleunigen, besonders wenn die Führungskräfte nicht auf der gleichen Seite waren.

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