Das Weltwirtschaftsforum endete gestern. Technologie- und Finanzexpertinnen und -experten diskutierten Blockchain-Technologie und Kryptowährungen. Die Wall Street denkt, dass Kryptos tot sind, aber nicht jeder stimmt zu.

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) war schon immer mehr eine Bühne für den Aufbau der Welt als eine Startkonferenz. Es dient aber auch als Plattform, um neue Ideen und Innovationen zu diskutieren.

Mauro Casellini, Head of Blockchain bei der Liechtensteiner Bank Frick, war einer der Vertreterinnen und Vertreter der schönen neuen Blockchain-Welt beim diesjährigen WEF.

Er war Teil eines Panels über digitale Finanzanlagen, das von CNBC moderiert wurde. Im Rampenlicht: Das liechtensteinische Blockchain-Gesetz, Lösungen für institutionelle Anleger zur Investition in digitale Assets und die Herausforderungen der sicheren Speicherung.

Während die Blockchain-Technologie und die liechtensteinischen Regulierungsbemühungen auf dem diesjährigen Forum einige Aufmerksamkeit erregten, ist der Technologie-Hype des vergangenen Jahres verflogen. Stattdessen wurde verstärkt auf praktische Lösungen gesetzt.

Banker sagen: Blockchain, nicht Bitcoin!

Die Erzählung des Bankensektors auf dem diesjährigen WEF war „Blockchain, nicht Bitcoin“!

An erster Stelle steht PayPal-CEO Dan Schulman. „Wir sehen nicht, dass viele Einzelhändler überhaupt eine der Kryptowährungen akzeptieren“, sagte er. Ja, aber andererseits hat PayPal kürzlich damit begonnen, Auszahlungen von Coinbase über seinen Service zu akzeptieren. Ironie?

Dennoch zeigte sich Schulman optimistisch für die Zukunft der Blockchain-Technologie. Aber nur Blockchain, nicht Bitcoin.

Als nächstes kam Huw van Steenis, Senior Advisor bei der Bank of England, der sagte, dass Kryptowährungen „die grundlegenden Tests von Finanzdienstleistungen nicht bestehen“. Er sagte, dass Kryptos langsam sind und nicht gut als Medium für Transaktionen funktionieren.

Jeff Schumacher, Gründer von BCG Digital Ventures, sagte, dass Bitcoin auf Null gehen wird, da es „nicht auf etwas basiert“. Das mag wohl sein, aber das ist das gleiche gilt bei Fiat-Währungen, wie dem USD oder EUR.

Warum sind jetzt so viele gegen Krypto?

Die Krypto-Kritikerinnen und -Kritiker liegen nicht falsch. Es gibt nicht viele Einzelhändler, die Kryptowährungen akzeptieren. Und ja, Kryptowährungen sind langsam und sehr volatil.

Aber das bedeutet nicht, dass sie völlig nutzlos sind.

Die Technologie entwickelt sich weiter. Und neue Technologien werden im Laufe der Zeit übernommen, es ist kein Prozess, der über Nacht geschieht.

Nur wenige Menschen in der Blockchain- und Krypto-Community glauben, dass die Technologie perfekt oder sogar reif für eine Massenanwendung ist. Die in Davos genannten Themen sind bekannt.

Die gute Nachricht: Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass Kryptos nicht gefährlich sind. Als eine Podiumsdiskussion mit der Frage endete, ob „das Ganze völlig überhypt und ziemlich gefährlich ist“, hob nur ein Mitglied des Publikums seine Hand: der CEO des Zahlungssystems Swift.

Nicht alles ist dunkel und düster…

Die WEF-Teilnehmerinnen und Teilnehmer betrachteten Blockchain meist als eine vielversprechende Technologie. Dabei lag der Fokus auf den Anwendungsfällen der Technologie, nicht auf der Technologie selbst.

„Ich bin viel weniger daran interessiert, um Bitcoin als Währungseinheit oder ein Währungsäquivalent zu investieren, oder sogar die Blockchain als Buchhaltungsbuch. Ich denke viel mehr an die Protokolle. Mit anderen Worten, was ist das zugrunde liegende Protokoll, das zu tun ist“, sagte Glenn Hutchins, Vorsitzender von North Island.

Toller Punkt. Die Anwender interessieren sich ohnehin nur für das Endprodukt und den Mehrwert.

Und das gilt auch für Kryptowährungen. Elizabeth Rossiello, die Gründerin der afrikanischen digitalen Zahlungsplattform BitPesa, erklärte, wie ihr Unternehmen es Menschen ermöglicht, Geld zu transferieren, indem sie Bitcoin verwendet, um Geld über Grenzen hinweg zu bewegen.

„Wir wollen die lokalen afrikanischen Währungen nicht ersetzen […] wir wollen es einfacher machen, afrikanische Währungspaare zu haben“, sagte sie.

Ebenso sieht die 500 Startup-Partnerin Edith Yeung einen Use Case für Kryptowährungen in Asien. Da die Zahlungsinfrastrukturen in den Entwicklungsländern weniger ausgeklügelt sind als im Westen, wird es einfacher sein, ein neues System von Grund auf einzuführen, sagt sie.

So waren sich nicht alle im WEF über das Skript „Blockchain, not Bitcoin“ einig. Kryptos sind nicht tot, sie sind noch nicht lebendig.

Oder es mit den Worten des Kryptojournalisten Joseph Young zu sagen: Blockchain, nicht Bitcoin, ist wie zu sagen: „Flugzeuge werden verschwinden, während Triebwerke allein grosses Potenzial haben“.

 

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