Die meisten STOs beinhalten mehrere Fundraising-Runden, beginnend mit einem Privatverkauf und endend mit einem öffentlichen Verkauf. Jede Phase bringt unterschiedliche gesetzliche Anforderungen und Vorteile für den Anleger mit sich.

Bei ICO.li beschäftigen wir uns regelmässig mit Security Token Offerings (STOs), insbesondere in Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland. So viele gab es bisher noch nicht, aber die Zahl steigt stetig.

Bei der Ausgabe von Security Token müssen Unternehmen strenge Regeln und Vorschriften einhalten. Unabhängig davon, ob die STO in Liechtenstein, der Schweiz oder Deutschland stattfindet, müssen die Emittenten die Gesetze des Europäischen Wirtschaftsraums und die Rechtsordnungen, in denen die Token verkauft werden, einhalten.

Privatverkauf, Vorverkauf und öffentlicher Verkauf

Token-Verkäufe beginnen in der Regel mit einem Privatverkauf, gefolgt von einem Pre-Public Sale, und gehen dann an die Börse. In jeder Phase müssen die Emittenten unterschiedliche gesetzliche Anforderungen erfüllen und die Anleger sind mit unterschiedlichen Risiken und Chancen konfrontiert.

Privater Verkauf

Während des Privatverkaufs ist der Tokenverkauf noch nicht öffentlich zugänglich. Liechtensteiner Unternehmen, die mehr als CHF 5 Mio. aufnehmen wollen, benötigen dabei grundsätzlich eine Prospektgenehmigung durch die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA).

Emittenten können jedoch den Privatverkauf starten, bevor der Prospekt genehmigt wurde. Es ist jedoch nicht erlaubt, ein STO ohne Zustimmung der FMA öffentlich zu bewerben.

Anleger können an einem Privatverkauf teilnehmen, da die Rabatte im Vergleich zu den nachfolgenden Runden höher sind. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man beim privaten Verkauf 15-25 Prozent Rabatt erhält, manchmal sogar mehr. So können Investoren zum reduzierten Preis kaufen und den Token später, wenn der Tokenhandel beginnt, wieder verkaufen. Allerdings müssen Anleger auf Sperrfristen achten, in denen sie ihre Token nicht weiterverkaufen dürfen.

Der Nachteil eines Privatverkaufs ist das höhere Risiko aufgrund der Unvorhersehbarkeit des Ergebnisses des STOs. Es gibt keine Garantie dafür, dass das STO bei den folgenden Fundraising-Runden seinen Soft Cap erreicht. Ausserdem ist das Produkt in dieser Phase oft noch nicht vollständig entwickelt, und da die Roadmap nicht garantiert ist, kann es lange dauern, bis der Token eine Liquidität erreicht.

Beim Privatverkauf legen die Emittenten in der Regel auch die Mindestanlagen höher fest als beim öffentlichen Verkauf. Diese Runde ist in der Regel nur für institutionelle Investoren geeignet.

Pre-Public Sale

Der Pre-Public Sale, wie der Name schon sagt, ist die Phase, die vor dem eigentlichen öffentlichen Verkauf durchgeführt wird. Je nachdem, wie Emittenten diese Runde bewerben, benötigen sie eine Bewilligung der FMA oder auch nicht.

In dieser Phase bieten die Emittenten noch einen Rabatt auf den endgültigen Token-Preis, wenn auch niedriger als in der ersten Runde. Im Allgemeinen bietet der Pre-Public Sale den Anlegern die Möglichkeit, einen Rabatt zu erhalten und gleichzeitig die mit dem Privatverkauf verbundenen Risiken zu vermeiden. 

Öffentlicher Verkauf

Der Public Sale ist in der Regel die wichtigste Phase während des gesamten STO-Prozesses. Da Emittenten öffentlich werben, ist eine Bewilligung der FMA erforderlich.

Die Mindestinvestitionen sind in der Regel gering, und jeder, der die KYC- und AML-Prüfungen besteht, kann teilnehmen. Das Risiko für die Anleger ist im Vergleich zu früheren Phasen geringer, da das Produkt in der Regel stärker entwickelt ist und die Token eine höhere Liquidität aufweisen. Allerdings sind die Rabatte gering, wenn überhaupt, und es gibt möglicherweise eine niedrigere Höchstgrenze pro Anleger.

Unternehmen, die ein STO einführen wollen, sollten das genaue Verfahren mit einem darauf spezialisierten Anwalt besprechen, da die besonderen Anforderungen je nach Token-Spezifikation, der Rechtsordnung, in der die Token beworben werden, und der Art des Investors, der teilnehmen wird, unterschiedlich sein können.

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