Die vierte Krypto-Finanzkonferenz in St. Moritz ist zu Ende gegangen. Die Teilnehmer der Veranstaltung waren sich einig, dass die Krypto-Finanzierung in die etablierte Finanzindustrie integriert werden muss, um weiterhin erfolgreich zu sein.

Die vierte Krypto-Finanzkonferenz in St. Moritz (CFC) fand letzte Woche statt. Sie behauptet, „die privateste Kryptofinanzierungs- und Blockchain-Konferenz für Investoren“ zu sein, und ist nur für überprüfte Anmeldungen zugänglich. In der atemberaubenden Umgebung von St. Moritz treffen Krypto-Unternehmer und -Experten auf Investoren und versuchen, sie von der neuen Anlageklasse zu überzeugen.

In diesem Jahr waren Young Sohn, Präsident von Samsung Electronics, Eva Kaili, die Schlüsselfigur hinter der Blockchain-Regulierung in der EU, und Thomas Moser, Krypto-Experte bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB), unter den Referenten. Die Stars der diesjährigen Veranstaltungen waren jedoch die Brüder Tyler und Cameron Winklevoss, die mit frühen Bitcoin-Investitionen ein Vermögen gemacht haben.

Ein stärkerer Sinn für die Realität

Im Vergleich zu 2018, als der Krypto-Winter das dominierende Thema auf fast jeder Krypto-Konferenz war, ging es bei der diesjährigen Konferenz darum, dass die Branche an Schwung gewinnt und sich vorwärts bewegt – was schön mit der aktuellen Bitcoin-Preisrallye zusammenfiel.

Was sich auch geändert hat – abgesehen von der Stimmung und der Grösse des Portemonnaies der Veranstaltungsteilnehmer – war ein allgemeiner Konsens darüber, dass die Kryptobranche nur dann weiter gedeihen kann, wenn sie ihren Weg in das traditionelle Finanzsystem findet.

Mit anderen Worten: Sie braucht einen funktionierenden Rechtsrahmen und die Zusammenarbeit mit etablierten Finanzinstitutionen. In Liechtenstein und der Schweiz ist das längst Allgemeingut. Liechtenstein hat seinen Blockchain Act eingeführt, und die Schweiz ändert derzeit die bestehende Gesetzgebung. Beide zielen darauf ab, eine rechtliche Grundlage für die Integration digitaler Währungen in das Finanzsystem zu schaffen.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma hat bereits die ersten Krypto-Banken zugelassen; weitere sind in Vorbereitung. In Liechtenstein bietet die Bank Frick seit mehreren Jahren Kryptodienstleistungen an.

Während die Regierungen und der Bankensektor in Liechtenstein und der Schweiz in Know-how, Partnerschaften und Infrastruktur investiert haben, ist dies in den meisten Ländern nicht der Fall.

Der institutionelle „Durchbruch“ steht noch aus

Cameron Winklevoss nutzte seine Redezeit, um seine Vision eines dezentralisierten Finanzsystems und die Stärkung der Menschen zu erläutern. Heute betreiben er und sein Bruder die Austauschplattform Gemini, die auch mit Goldman Sachs zusammenarbeitet.

Da die Winklevoss-Brüder aus den USA stammen, verstehen sie den Kampf um die Regulierung, da die US-Regulierungsbehörden bisher gezögert haben, die neue Anlageklasse ernst zu nehmen. Dennoch glauben die Brüder, dass institutionelle Investoren kurz vor dem Durchbruch im Jahr 2020 auf dem Kryptomarkt stehen.

Dieser „Durchbruch“ steht jedoch schon seit langem bevor. „Wenn das institutionelle Geld erst einmal da ist, werden die Preise durch die Decke gehen“, ist seit 2017 ein immer wiederkehrendes Thema auf Krypto-Konferenzen. Dennoch ist es noch immer nicht geschehen.

Und das wird es wahrscheinlich auch nicht. Statt eines Big-Bang-ähnlichen Durchbruchs ist es wahrscheinlicher, dass institutionelle Anleger vorsichtig und langsam in die Anlageklasse einsteigen, zunächst mit kleinen Volumina. Die ersten Pensionsfonds und Banken haben bereits investiert. Aber vorerst ist die Anlageklasse noch viel zu klein, um auf dem Radar der institutionellen Anleger zu erscheinen. Das könnte sich in den kommenden Jahren ändern, aber so weit sind wir noch nicht. Niklas Nikolajsen, der Gründer von Bitcoin Suisse, glaubt, dass sich institutionelle Anleger erst dann dafür interessieren werden, wenn Bitcoin ein Volumen von 500 Milliarden Dollar erreicht hat – im Vergleich zu etwa 200 Milliarden Dollar heute.

Die Crypto Finance Conference ist ein wenig repräsentativ für die geringe Grösse der Anlageklasse. Ein Bericht von Finews beschrieb sie als „Familienzusammenkunft von Krypto- und Blockchain-Unternehmern, -Investoren, -Experten, -Inkubatoren und -Gefährten“.