Als der COVID-Lockdown begann, sahen die Aussichten für das Crypto Valley nicht vielversprechend aus. Umso überraschender ist es, dass die Branche den Lockdown relativ unbeschadet überstanden hat. Hier sind die neuesten Ergebnisse des Top-Reports des CVVC.

Der Corona-Lockdown Anfang dieses Jahres war eine Herausforderung für das Crypto Valley. Eine von der Swiss Blockchain Federation durchgeführte Studie ergab, dass im April vier von fünf Blockchain-Startups kurz vor dem Bankrott standen. Die Unternehmen entließen Personal und hatten wenig Chancen, Zugang zu den Notfallkrediten der Regierungen zu erhalten.

Diese Befürchtungen waren zwar in der Tat berechtigt, aber die Situation hat sich viel besser entwickelt, als wir zunächst dachten. Betrachtet man den neu veröffentlichten Top-Report von Crypto Valley Venture Capital (CVVC), so hatte das Crypto Valley in der ersten Jahreshälfte tatsächlich an Größe zugenommen.

Die Bewertungen der Krypto-Währungen spielten eine entscheidende Rolle

Ein Hauptgrund dafür, dass sich das Crypto Valley als ziemlich resistent gegen die Corona-Krise erwiesen hat, war die schnelle Erholung der Märkte für Krypto-Währungen. Während die führenden Krypto-Währungen während des Ausverkaufs an den Aktienmärkten im März zusammengebrochen sind, haben sie sich schnell wieder erholt. Innerhalb nur weniger Wochen nach der Krise handelten Bitcoin und Ethereum auf dem Niveau vor der Corona-Krise.

Die Bewertungen der Krypto-Währungen sind für viele Blockchain-Startups entscheidend, da sie über diese Vermögenswerte finanziert werden. Nehmen Sie Ethereum: Das Ethereum-Netzwerk ist etwa 25,3 Milliarden Dollar wert. Das ist mehr als die Hälfte der Top 50 Crypto-Valley-Firmen, die zusammen einen Wert von 37,5 Milliarden Dollar haben. Wenn Ethereum also die Hälfte seines Wertes verliert, sieht das Crypto Valley plötzlich viel kleiner aus.

Laut der CVVC-Studie haben der Branche neben den Bewertungen der Krypto-Währung auch die Vorteile des Crypto-Valley-Ökosystems und günstige Blockchain-Regelungen in der Schweiz und Liechtenstein geholfen, die Krise zu bewältigen.

Blockchain-Unternehmen erhielten auch staatliche Unterstützung: Die Schweizer Regierung zahlte insgesamt 15 Millionen Schweizer Franken (16,5 Millionen US-Dollar) an Notfallkrediten aus. Die entsprechende Zahl aus Liechtenstein liegt uns noch nicht vor.

Fundraising während der Krise fortgesetzt

Nun zu den Zahlen: In den ersten 6 Monaten von 2020 gab es 919 Blockchain-Unternehmen in der Schweiz und in Liechtenstein. Das sind 77 mehr als im Vorjahr (842).  Die Zahl der Beschäftigten blieb mit 4.784 Personen unverändert. Die Tatsache, dass die Mitarbeiterzahl trotz der wachsenden Zahl an Unternehmen nicht gestiegen ist, ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass einige Unternehmen Personal entlassen haben und andere zögerten, neues Personal einzustellen.

In der ersten Hälfte des Jahres 2020 sind im Crypto Valley 51 neue Unternehmen gegründet worden. 31 Unternehmen sind verschwunden, was weit weniger ist als zu Beginn der Krise erwartet.

Trotz der Krise waren viele Unternehmen auch in der Lage, zusätzliche Mittel aufzubringen. Die Top-50 Kryptofirmen zogen insgesamt 3,7 Milliarden Dollar an Kapital an, obwohl die Bereitschaft der Investoren, Risikokapital bereitzustellen, während der Krise deutlich abgenommen hat.

Es gibt zwei Gründe, warum die Kapitalbeschaffung relativ erfolgreich blieb: Erstens begannen viele dieser Geschäfte bereits lange vor der Krise und wurden bereits unterzeichnet oder befanden sich in der Endphase. Zweitens waren viele Firmen, insbesondere wenn sie ein digitales Angebot bereitstellen, nicht stark von der Krise betroffen. Bei einigen war das Gegenteil der Fall, und sie profitierten von der gestiegenen Nachfrage nach digitalen Lösungen.

Insgesamt geht der Bericht davon aus, dass das Crypto Valley die Krise relativ unbeschadet überstanden hat. Oder sagen wir: Es hätte viel schlimmer sein können, und es war viel besser als vorher angenommen.

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