Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) hat Richtlinien erlassen, wie ihre Mitglieder mit Blockchain-Kunden umgehen sollen. Die Hauptunterscheidung besteht zwischen Unternehmen, die über ICOs Mittel beschaffen, und solchen, die dies nicht tun.

Trotz des Blockchain-freundlichen Ansatzes der Regierung ist das Krypto-Banking in der Schweiz immer noch schmerzhaft. Banken scheuen den Umgang mit Blockchain-Geschäften, da sie keine Compliance-Risiken im Zusammenhang mit Anti-Money-Laundering (AML) oder Know-Your-Customer (KYC) Vorschriften eingehen wollen.

Heinz Taennler, Finanzdirektor in Zug, sagte, dass Unternehmen das Crypto-Valley verlassen und nach Liechtenstein ziehen. „Alle ihre Bankbeziehungen gehen nach Liechtenstein. Das sind Hunderte von Arbeitsplätzen, die geschaffen wurden, und jeder Arbeitsplatz ist wichtig“, sagt er.

Banken haben Richtlinien, wenn es um Blockchain-Banking geht. Ende 2018 hat die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg), der Dachverband der Schweizer Banken, Richtlinien für ihre Mitglieder zum Umgang mit Blockchain-Kunden veröffentlicht.

Die Arbeitsgruppe des SBVg hat 2018 Richtlinien für Schweizer Banken herausgegeben

Die im September 2018 herausgegebene Richtlinienbroschüre des SBVg beginnt damit, dass die Schweizer Banken mit den vielen Blockchain-Unternehmen, die sich in der Schweiz niederlassen, zufrieden sind. Schweizer Banken „sehen in der Blockchain-Technologie eine Chance und bieten dem Finanzmarkt in der Schweiz vielfältige Möglichkeiten“. Damit will die SBVg zum Aufbau eines Blockchain-Ökosystems beitragen.

Da Blockchain-Unternehmen Zugang zu allen Dienstleistungen des Firmenkundengeschäfts – und vor allem zu Geschäftskonten – benötigen, stehen Banken vor einer Vielzahl von Herausforderungen rund um die AML- und KYC-Vorschriften. Daher müssen Banken eine solide Due Diligence durchführen, bevor sie Blockchain-Kunden die Eröffnung von Bankkonten ermöglichen.

Um ihren Bankmitgliedern Orientierung zu geben, hat die SBVg 2018 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich aus ihren Mitgliedsbanken, Regierungsvertretern und Vertretern der Crypto Valley Organization zusammensetzt. Das Ergebnis dieser Arbeitsgruppe waren Richtlinien zum Blockchain-Banking.

Einschränkungen sind nur für Unternehmen erforderlich, die Gelder in Kryptowährungen aufnehmen

Nach diesen Richtlinien schlägt die SBVg den Banken vor, Unternehmen, die über ein ICO Mittel beschaffen, von solchen zu unterscheiden, die dies nicht tun.

Unternehmen, die kein ICO durchführen, sollten die gleiche Behandlung erhalten wie alle anderen Firmenkunden. Entwickelt ein Unternehmen also ein Blockchain-basiertes Produkt, auch wenn es sich in der Finanzindustrie befindet, so unterliegt es keinen zusätzlichen Anforderungen als jedes andere Unternehmen.

Blockchain-Unternehmen, die ein ICO betreiben, müssen jedoch zusätzliche Anforderungen erfüllen. Aber nur, wenn sie Mittel in Form von digitalen Währungen aufbringen, nicht, wenn sie Mittel in Form von Fiat-Währungen aufbringen.

Daher liegt das Problem nicht bei der Blockchain-Technologie selbst. Kryptowährungen sind es, die den Bankiers Kopfschmerzen bereiten. Die Richtlinien des SBVg schlagen vor, dass Banken alle relevanten KYC- und AML-Vorschriften anwenden sollten, was bedeutet, dass Unternehmen nachweisen müssen, wer Krypto-Fonds bereitstellt und woher diese Mittel stammen.

Die SBVg-Richtlinien legen fest, welche Informationsbanken während des ICO und Post-ICO vor dem ICO erhalten sollten und welche Mindestkriterien die Banken anwenden sollten. Die vollständigen Richtlinien stehen hier zum Download bereit.

Da Blockchain-Unternehmen für Grossbanken unattraktiv sind, füllen kleinere Unternehmen die Lücke

Die Krypto-Community engagiert sich gerne in Verschwörungstheorien, also sagen wir gerne Dinge wie: „Banken wollen nicht, dass wir Bankkonten eröffnen, weil sie den Krypto-Wettbewerb fürchten“.

Die Realität ist, dass Banken alles nehmen, was sie bekommen können – solange es profitabel ist. Sowohl das Compliance-Risiko als auch der zusätzliche Aufwand und die Formalitäten machen es jedoch unattraktiv für Grossbanken, sich mit Blockchain-Geschäften zu befassen. Es ist es einfach nicht wert.

Können wir den Banken die Schuld geben? Das eigentliche Problem ist, dass die Vorschriften komplex und unklar sind. Aber es ist auch nicht so, dass Banken grosse Anstrengungen unternehmen, um Blockchain-Kunden zu bedienen. Deshalb versuchen gerade kleinere Banken nun, die Lücke zu schliessen, da sie die Chance sehen, einen Markt zu erschliessen, der von ihren grossen Kollegen unberührt bleibt.

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