Die Schweizer Institutionen haben unterschiedliche Ansichten über Libra geäussert. Während die FINMA weniger besorgt zu sein scheint, weist die Zentralbank auf mögliche Risiken für die Geldpolitik des Landes hin.

Libra begann mit einem Urknall und einer ehrgeizigen Mission: Ermöglichung einer „einfachen globalen Währungs- und Finanzinfrastruktur, die Milliarden von Menschen befähigt“. Das Projekt hat polarisiert und Kontroversen in der Öffentlichkeit, bei Kryptoenthusiasten und vor allem bei Politikern ausgelöst.

US-Gesetzgeber haben sogar versucht, Facebook davon abzuhalten, die Währung in einem schriftlichen Moratorium einzuführen. Aber Libra ist technisch nicht im Besitz von Facebook und ist nicht in den USA registriert. Die Vereinigung hat ihren Sitz in der Schweiz. Aber auch hier begrüsst nicht jeder das Projekt. 

Die FINMA sagt, dass sie „mit Offenheit“ antworten wird

Die Schweizer Bankenaufsicht FINMA hat letzte Woche über das Bewilligungsverfahren für die Genfer Libra-Vereinigung berichtet. Laut FINMA benötigt Libra mindestens eine Lizenz für das Zahlungssystem. Darüber hinaus sagte der Watchdog, dass zusätzliche Regelungen notwendig seien, da die Funktionalitäten von Libra über einfache Zahlungsdienste hinausgehen und somit erhöhte „bankähnliche“ Risiken bergen.

Letzteres ist eine Sichtweise, die Libra vermeiden will, da eine Regulierung wie eine Bank mit strengen Einschränkungen verbunden wäre. Stattdessen behauptet Libra, eine Stable Coin zu sein, die in einen Standardrahmen gestellt wird, für den keine zusätzliche Regulierung erforderlich ist. Wie die FINMA feststellt, hängt die Regulierung einer Stable Coin weitgehend von ihrem Basiswert ab. Libra könnte daher unterschiedlichen Regeln unterliegen, wenn sie an Wertpapiere wie Immobilien oder Aktien oder nur an Fiat-Währungen gebunden ist.

Mark Branson, CEO der FINMA, sagte: „Wir sind nicht hier, um solche Projekte unmöglich zu machen […]. Wir werden offen darauf reagieren, mit der Einstellung, dass die gleichen Risiken die gleichen Regeln erfordern.“

Er wies auch darauf hin, dass Libra etwas ist, das „transparent gemacht wird“ und fügte hinzu: „Ich bin viel nervöser gegenüber Projekten, die sich in einer dunklen Ecke des Finanzsystems irgendwo entwickeln, sich im Cyberspace ausbreiten und eines Tages zu gross sind, um gestoppt zu werden.“

Zentralbanker weisen auf Risiken für die Geldpolitik der Schweiz hin

Während die FINMA die Libra weniger zu interessieren scheint, vertritt die Schweizerische Nationalbank (SNB) eine andere Sichtweise. Der Präsident der SNB sagte, dass an Fiat-Währungen gebundene Stable Coins die Geldpolitik des Landes gefährden.

Dante Disparte, Head of Policy and Communications der Libra Association, sagte: „Unser Ziel ist ein stabiles, sicheres und kostengünstiges Zahlungssystem, das den Zugang zu Finanzdienstleistungen für Milliarden von Menschen erweitern und verbessern kann. Wir verpflichten uns zu einem kontinuierlichen Dialog mit den Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden, während wir auf dieses Ziel hinarbeiten.“

In der Zwischenzeit hat die Nationalbank zusammen mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel eine Innovationszentrale eingerichtet, um zu prüfen, wie die eigene digitale Währung umgesetzt werden kann.

Libra macht weiter, trotz des Ausscheidens seiner prominentesten Mitglieder

Die regulatorische Situation von Libra in der Schweiz ist noch nicht ganz klar, aber das Projekt stösst auf Widerstand, auch in der kryptofreundlichen Schweiz. „Libra wird in der Schweiz nicht schnell starten“, sagt Herbert Scheidt, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Darüber hinaus hat die Allianz in jüngster Zeit intern einen grossen Erfolg verzeichnet. PayPal, Visa und Mastercard, die prominentesten Gründungsmitglieder von Libra, haben ihren Rückzug aus dem Projekt angekündigt – ein potenziell fataler Schlag für Libras globale Ambitionen. Visa sagte, dass es eine mögliche Mitgliedschaft in der Libra Association überprüfen könnte, ob und wann Facebook bei der Entwicklung von Libra „alle erforderlichen regulatorischen Erwartungen voll erfüllen kann.“

Dennoch geht das Projekt weiter. Die 21 verbleibenden Gründungsmitglieder trafen sich am vergangenen Montag in Genf und unterzeichneten die Libra-Charta. Generaldirektor Bertrand Perez sagte: „Wir haben jetzt eine vollständige Garantie für ihr Engagement, also haben wir Vertrauen in das Projekt.“

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